Auszug aus der „Luftsport“ - Jubiläums-Ausgabe Juni 1961

„40 Jahre Hannoverscher Aero-Club e.V.“


HAEC – redivivus         1950-1961

Der alte HAeC war tot – seit 1933. Aber nicht der alte Fliegergeist, den er jenen vererbte, die nach ihm kamen. Aus dem Chaos, das der zweite Weltkrieg hinterließ, erwuchs langsam aber ständig der Wille, die frühere Gemeinschaft wieder aufzunehmen.
 
Am 8. September 1950 war es soweit. Bezeichnenderweise waren es Angehörige der jungen Generation, die den Mut zur Initiative fanden, so wie es einst auch bei der Gründung des HVF war. Aus der Interessengemeinschaft „Segelflug Hannover“, einer losen Zusammenfügung ehemaliger Segel- und Motorflieger aus dem letzten Krieg, entstand der neue „Hannoversche Aero-Club e.V.“. Ihm schlossen sich bald zahlreiche Mitglieder des alten HAeC an. Zwar war zu jenem Zeitpunkt der Modell- und Freiballonsport von den Siegermächten wieder erlaubt, doch bis zur praktischen Ausübung des Segelfliegens oder gar des Motorflugs war es noch ein weiter Weg.

 
Lassen wir uns von dem Fluglehrer der HAeC-Segelflug-Abteilung Joachim Zühlke durch die Jahre des Wiederaufbaus führen. Verständlich, dass er diesen in erster Linie aus der Sicht des Segelfliegers sieht.
 
1950
Wir entsinnen uns, dass nach langem Hin und Her über die britische Besatzungsmacht eine freundschaftliche Verbindung (trotz des „no fraternisation“, aber Flieger verstehen sich über alle Grenzen hinweg) zu den „British Gliding-Clubs“ zustande kam. Obwohl der Segel- und Motorflug laut alliiertem Kontrollratsbeschluss für Deutsche Tabu war, fanden sich viele Flugsportfreunde zum sonntäglichen Besuch bei den englischen Segelfliegern in Pötzen bei Hameln oder auf dem Ith ein.
 
Das erste große fliegerische Ereignis in Hannover war ein Flugtag im Juli 1951, der von den britischen Segelfliegern auf der Vahrenwalder Heide durchgeführt wurde. Deshalb sei er hier in der Zeitfolge auch vorweggenommen. Denn diesen 15. Juli darf man als die eigentliche Wiedergeburt des neuen Hannoverschen Aero-Clubs ansehen. Tausende von Zuschauern waren gekommen, um wieder einmal ein Segelflugzeug zu sehen. Eine „Meise“, ein „Grunau Baby“ und sogar ein Freiballon gehörten zu dem Aufgebot. Dass sich an diesem Tage vor allen die „alten Hasen“ einfanden, bedarf keiner Betonung. – So sah man u.a. den bekannten Segelflieger Gottfried Espenlauf in der „Olympia-Meise“ sitzen. Jedoch – damit zu fliegen war ihm verboten! Nun, uns Deutschen war an diesem Tage eine Sitzprobe schon ein halbes fliegerisches Erlebnis. So bescheiden waren wir geworden...
 
Noch lange nach diesem Flugtag wurde von ihm als einem für die damalige Zeit außerordentlichen Ereignis gesprochen. Er brachte dem HAeC nicht nur einen Zuwachs an Mitgliedern, sondern er prägte auch schon seinen künftigen Charakter.
 
Vorher – am 8. September, wie bereits erwähnt, - hatte die offizielle Neugründung des HAeC stattgefunden. Von den sieben Mitgliedern, die ihn aus der Taufe hoben und ihm die erste Satzungsgrundlage gaben, gehören noch heute zu uns: Karl Heinz Althaus, Otto Lesser und Dipl. Ing. Hans Römer.
 
1951
Durch wiederholten freundschaftlichen Besuch bei den englischen Segelfliegern auf der Vahrenwalder Heide an den Wochenenden ergab es sich, dass wir eines Tages nicht nur zuschauen durften, sondern auch die Aussicht auf einen Start bekamen. Der derzeitige Fluglehrer bei den Engländern war Hans Meyer aus Hameln. Ihm haben wir es zu verdanken, dass im Herbst 1951 Mitglieder des HAeC ihre Luftfahrerscheine auf den von den britischen Fliegerkameraden ausgeliehenen Segelflugzeugen erneuern konnten. Unterdessen wurde auch für Deutsche der Segelflug von der alliierten Militärkommission wieder freigegeben, so dass wir zu diesem Zeitpunkt bereits in der glücklichen Lage waren, mehrere Luftfahrerschein-Inhaber zu besitzen.
 
Gleichzeitig erhielten wir eine, allerdings unverbindliche Zusage der Stadtverwaltung Hannover, das zerbombte Grundstück auf der Vahrenwalder Heide mit der alten Segelflugzeughalle am Wasserturm neu errichten zu dürfen. Unter vielen Opfern an Zeit und Geld wurde nun in zahllosen Arbeitsstunden die Halle nebst einer Werkstatt wieder aufgebaut, obwohl man noch keine Möglichkeit sah, den Segelflug selbst ausüben zu können.
 
Um diese Zeit tauchte plötzlich ein Schulgleiter SG 38 auf... Wir wollen heute nicht mehr wissen, ob und wo er „abgestaubt“ wurde – er war eben einfach da, und wir waren glücklich darüber! Wenngleich er auch mehr einem Wrack als einem Flugzeug glich, so war es für uns doch ein Anfang.
 
Was uns an der praktischen Ausübung unseres Sports fehlte, wurde einstweilen durch belehrende Vorträge ersetzt. So erzählte z.B. im April 1951 Elly Beinhorn ihre „Abenteuer in 5 Erdteilen“, ferner hatten wir im Mai einen interessanten Vortrag von unserem Clubkameraden und ehemaligen Zeppeliner Herbert Dowe über „40 Jahre Zeppelinfahrt“.
 
Den Vorsitz im HAeC führten zu dieser Zeit die Herren Thomas Gratzel und Kurt Aschenbrenner. Anzuerkennen, dass ersterer für den jungen Club in seinen Anfängen einiges Gute getan hat.
 
1952
Mit dem 11. Februar 1952 traten die Mitglieder Dr. Ing. Max Müller (später Präsident des HAeC) und Herbert Dowe an die Stelle der oben genannten, wegen Wohnsitzwechsel ausscheidenden Vorstandsmitglieder.
 
Sonst stand auch dieses Jahr im Zeichen reger Bautätigkeit an Halle und Werkstatt, und der Kauf eines Segelflugzeugs war für die zweite Jahreshälfte vorgesehen. Es sollte eine Mü 13 sein, und wir erhielten sie im Herbst, womit wir endlich über ein Segelflugzeug, das erste nach dem Kriege, verfügten. Während der Industrie-Messe in Hannover wurden zahlreiche Flüge mit dem neuen Doppelsitzer über dem Messegelände ausgeführt. Als Start- und Landeplatz diente der Kronsberg. Leider musste unser Flugzeug schon im September wegen einer Beschädigung aus dem Flugbetrieb gezogen werden und wurde erst im April 1953 wieder einsatzbereit. Dadurch war die Flugbilanz im Jahre 1952 für uns nicht eben günstig. Es gelang uns jedoch, wenigstens die Flugzeughalle mit Werkstatt und einem Anbau winterfest zu bekommen, so dass auch der „abgestaubte“ SG 38 in Reparatur genommen werden konnte. Außerdem wurde eine Schleppwinde aus einem ausgedienten 8-Zylinder-Horch zusammengebaut. Damit besaßen wir für die kommende Flugsaison eine Winde sowie ein Segelflugzeug und den Schulgleiter. Voller Zuversicht und guten Mutes ging es in das Jahr
 
1953
Dieses verzeichnet als bedeutendstes Ereignis die Halleneinweihung und Flugzeugtaufe im Juni. Ein großer Tag! Denn in Verbindung mit der Akademischen Fliegergruppe Hannover konnten so drei Flugzeuge auf einmal und eine zweite Schleppwinde vor vielen Zuschauern getauft werden. Der nun folgende Flugbetrieb war für alle Teilnehmer ein besonderes Erlebnis, hatte doch im Jahre zuvor, bei den Segelflug-Weltmeisterschaften in Spanien, die deutsche Mannschaft durch eine gute Placierung dafür gesorgt, dass neuer Auftrieb in unseren Reihen entstand. Tief erschüttert aber mussten wir nach den ersten Erfolgen innerhalb des HAeC unseren Kameraden Hans Meyer, Fluglehrer bei den englischen Segelfliegern, zu Grabe tragen, der bei einem Absturz sein Leben ließ.
 
Der erste Clubvergleichskampf, von sieben Vereinen in Hildesheim ausgetragen, brachte dem HAeC beachtliche fliegerische Erfolge. Mit einem guten Mittelplatz konnten wir aus diesem Wettbewerb zufriedenstellend hervorgehen. Auch das Ende des Jahres 1953 stand im Zeichen guter fliegerischer Leistungen. Wurden doch nicht weniger als vier internationale Leistungsabzeichen erflogen und weit über 1600 Starts durchgeführt!
 
Noch einmal, am letzten Tag des Jahres, verloren wir einen Kameraden aus unseren Reihen, den englischen Segelflieger Les Heagerty, der bei einem Flugzeugschlepp verunglückte. Trauernd standen wir am Grabe eines Menschen, der, obwohl nicht unser Landsmann, von uns allen gern gesehen war.
 
Das Jahr 1953 ist auch das Jahr der Entstehung unseres „Nachrichtenblattes“, ein Verdienst unseres Clubkameraden Dr. med. Werner Kosinski, der uns, erst 45jährig, am 8. Januar 1957 durch den Tod genommen wurde. Seiner wird noch an anderer Stelle gedacht werden.

1954
Im Februar dieses Jahres trat an die Stelle des aus beruflichen Gründen zurückgetretenen stellv. Vorsitzenden Herbert Dowe unser Hans Böttcher. Ein gutes „Training“ für das noch verantwortlichere Amt, das er Jahre später einmal übernehmen sollte...
 
Uns war es möglich, in den nunmehr fertigen Räumen unserer Werkstatt das erste Segelflugzeug im Selbstbau – ein „Grunau Baby II b“ – zu erstellen und zu Beginn der Flugsaison einzufliegen. An den Pfingsttagen trafen sich auf der Vahrenwalder Heide zehn Vereine mit ihren Segelflugzeugen zu einem Vergleichsfliegen. Für Hannover die erste Veranstaltung, die offiziell vom HAeC ausgerichtet wurde. Begünstigt durch das Wetter, wurde sie zu einem vollen Erfolg! Allein zwei internationale Leistungsabzeichen konnten von unseren Mitgliedern auf der Mü 13 erflogen werden, und außerdem wurde mit einem Vorsprung von über 200 Punkten der 1. Platz in der Wertung vom HAeC belegt. Ein verheißungsvoller Auftakt!
 
Im Spätherbst erhielten wir unser erstes Leistungsflugzeug vom Typ „L-Spatz“, das nach mehreren geplanten, durch die Schuld Petrus ins Wasser gefallenen Taufversuchen doch noch am Jahresende den Namen „Karl-Jatho“ aus dem Munde seiner Witwe, unserer inzwischen verstorbenen verehrten Frau Olga Jatho, erhielt. Somit hatte sich unser Bestand auf insgesamt 5 Flugzeuge erweitert: Zwei SG 38, eine Mü 13 E, ein L-Spatz und ein Grunau Baby warteten auf die nächste Flugsaison.
 
Noch im gleichen Jahr wurde unser Selbstbau, das „Grunau Baby II b“ getauft. Die Startzahl des Jahres erhöhte sich um das Doppelte gegenüber 1953, so dass von einem merklichen Aufschwung des Clubs gesprochen werden konnte.
 
1955
Wieder eine „Wachablösung“ im Führungsgremium des Clubs, diesmal von weitreichender Bedeutung. Denn erstmalig wurde die Stelle eines Präsidenten geschaffen und Dr. Ing. Max Müller, dem bisherigen Vorsitzenden, als Würdigstem übertragen. Den Vorsitz im geschäftsführenden Vorstand bildeten die Clubkameraden Leonhard Kampczyk und Joachim Millington-Hermann, unterstützt von Erich Kaus als Schriftführer. Große Aufgaben – der Motorflugsport war inzwischen freigegeben worden – waren zu meistern, was eine größere Stetigkeit in der Clubführung, gepaart mit Erfahrung als unbedingt wünschenswert erscheinen ließ. Die Entwicklung in den folgenden Jahren bestätigte dies zu Recht.
 
Zwecks weiterer Ausbildung von jugendlichen Segelfliegern fand sich die Stadt Hannover bereit, für die Leibniz-Schule einen Schulgleiter SG 38 zur Verfügung zu stellen. Der Schulbetrieb für Anfänger konnte so mit zwei Flugzeugen durchgeführt werden, so dass der Ausbildungstand am Jahresende 1955 höhere Zahlen aufwies als in den Vorjahren.
 
Den Fortgeschrittenen jedoch brachte das Jahr nicht den erwarteten Erfolg. Durch unglückliche Umstände wurden das „Grunau Baby II b“ und der „L-Spatz“ erheblich beschädigt und mussten mitten in der Saison aus dem Flugbetrieb gezogen werden. Wenn trotzdem noch die Startzahl des Vorjahres erreicht wurde, dann ist das der Aktivität der beiden Anfänger-Schulgruppen zu danken.
 
Für die Wintermonate standen nun in erster Linie die Reparatur von zwei Flugzeugen sowie der Neubau eines schwanzlosen Segelflugzeugs vom französischen Typ „Fauvel AV 36“ auf dem Programm.
 
1956
Die Arbeiten an dem Nurflügler AV 36 sowie an einem zweiten Grunau Baby machten gute Fortschritte. Schon im Herbst des Jahres konnten wir den Selbstbau abschließen und die Taufe dieser beiden Flugzeuge bei strahlendem Scheinwerferlicht ganz besonders attraktiv gestalten.
 
Nach Überwindung vieler behördlicher Schwierigkeiten wurde dem LVN endlich eine seit langem geplante Luftfahrt-Lotterie „Aero-Tombola“ genehmigt, die in Göttingen bereits mit gutem Erfolg durchgeführt worden war. Vom 24. Mai bis zum 8. Juli konnten die Hannoveraner am Georgsplatz, am Steintor und am Küchengarten ihren Obolus spenden und die in vielen Glasvitrinen zur Schau gestellten schönen und nützlichen Dinge gewinnen. Sie konnten es, aber – taten sie es auch? Hier schweigt des Sängers Höflichkeit... Leider schien man für die Förderung des heimischen Flugsports nicht sonderlich viel übrig zu haben, im Gegensatz zu Göttingen, wo nicht weniger als 200 000 Lose abgesetzt wurden! Und das in einer erheblich kleineren Stadt – Hannover, während der Veranstaltung auch von Petrus nicht gerade gut behandelt, kam an dieses Ergebnis nicht heran, und dementsprechend war der finanzielle Erfolg der Tombola. Immerhin, etwas für unseren Sport sprang doch dabei heraus, was wir , ohnehin durch öffentliche Wohltaten nicht verwöhnt, mit Dank quittierten.
 
Wo Licht ist, da ist auch Schatten. – Zur gleichen Zeit tauchten für uns Segelflieger dunkle Wolken über der Vahrenwalder Heide auf... Und bald wurde es uns zur Gewissheit, dass wir in Kürze unser Fluggelände mit Halle und Anbau verlieren würden, da Gelände und Grundstück der Neugestaltung des Industrieviertels Vahrenheide weichen mussten. Dank des Entgegenkommens unseres Präsidenten Dr. Ing. Max Müller war es möglich, zur Überbrückung dieser Evakuierungszeit eine Werkstatt in den Räumen der Brinker Eisenwerke einzurichten und auch unser gesamtes Fluggerät dort unterzustellen.
 
Der Flugbetrieb selbst wurde ab Mitte des Jahres auf die Plätze Hildesheim und Celle-Arloh verlegt. Sonntag für Sonntag mussten die Segelflieger des HAeC mit ihren Flugzeugen auf fremde Plätze fahren, um ihren Sport überhaupt noch ausüben zu können. Nur wer diese Zustände miterlebt hat, wird ermessen, wie oft wir die Zähne zusammenbeißen und den „inneren Schweinehund“ besiegen mussten, um auch in diesen schweren Monaten bei der Stange zu bleiben!
 
Noch im Sommer begann der Abbau der Halle, der Werkstatt und des Anbaus, was sich bis Mitte 1957 hinzog. Fürwahr ein bitterer Abschied von einer Stätte, die uns und denen, die vor uns waren, so viele erlebnisreiche Stunden und Erfolge beschert hatte! Eine neue Zeit forderte auch von uns ein schmerzliches Opfer – würde es einen Ersatz dafür geben und wann?
 
1957
Die Fertigstellung unserer Ersatzwerkstatt in der Brinkerhafenstraße sowie der Umzug verteilten sich auf einen längeren Zeitraum. Klar, dass der Flugbetrieb im Anfang des Jahres darunter zu leiden hatte. Trotzdem wurde eine neue Schleppwinde konstruiert, gebaut und ihrer Bestimmung übergeben. Wieder fuhren die HAeC’er sonntags nach Celle, Hildesheim, Alfeld oder Minden, um dort zu fliegen. Lediglich die beiden Anfänger-Schulgruppen konnten noch am Rande der Vahrenwalder Heide ihre Starts durchführen.
 
Der eigentliche Leistungsflug erreichte in diesem Jahre seine Spitze mit über 2600 km Überlandflügen und fünf 5-Stundenflügen. Bei einer Luftsport-Veranstaltung des Clubs Barsinghausen griff das Schicksal abermals in unseren engsten Kreis ein und forderte das Leben von Karl Tappe, der beim Absturz der AV 36 (Nurflügler) tödlich verunglückte.
 
Drei Silber-C-Leistungsabzeichen, zwei Brillanten zur Gold-C sowie die Teilnahme einer Mannschaft des HAeC an den Deutschen Segelfliegermeisterschaften in Oerlinghausen bildeten Höhepunkte der zweiten Jahreshälfte. Für die Winterarbeit sorgten indessen eine Wasserlandung unseres „Grunau Baby II b“ und eine größere Beschädigung der Mü 13. Tja, wo gehobelt wird, da fallen Späne und wo geflogen wird, da auch!
 
1958
Das Jahr, in dem der Flugbetrieb auf der Vahrenwalder Heide völlig zum Erliegen kam. Die Bebauung des Geländes begann, und damit war auch für die Schulgruppen Feierabend.
 
Man nutzte die stille Zeit so gut als möglich. Aus den Erfahrungen der letzten Jahre zog man die Lehre und begab sich an eine Neugestaltung der Satzungen der Segelflug-Abteilung. Alle Mitglieder waren sich darüber im klaren, dass ein Flugbetrieb wie gehabt künftig nicht mehr möglich sein würde. Die Zahl der Beschädigungen an Flugzeugen und der dadurch bedingte Ausfall an Flugbetrieb ließen uns diese Maßnahmen als dringend nötig erscheinen. Die Reparatur der Mü 13 E stand nach dem letzten Bruch ohnehin nicht mehr zur Debatte. Wir hofften, durch die uns auferlegte Selbstkontrolle in Verbindung mit der Neugestaltung der Abteilung Segelflug in der Lage zu sein, ein neues doppelsitziges Segelflugzeug vom Typ Ka 7 in Auftrag geben zu können.
 
Wiederum spielte sich der Flugbetrieb für uns in diesem Sommer auf fremden Plätzen ab, hauptsächlich in Wunstorf und Hildesheim. Mitte 1958 waren wir dann im Besitz des neuen Doppelsitzers und gingen in der Ausbildung vom Einsitzer zur Doppelsitzerschulung über. Zugleich mit den ersten Starts auf der Ka 7 erfolgte auf dem uns zugewiesenen neuen Gelände Vahrenwald-Nord auch der erste Spatenstich zur Errichtung einer Segelflughalle, die gemäß Vorstandsbeschluss die Form und Ausdehnung der früheren Halle erhalten sollte. Schon Ende des Jahres konnte das Richtfest gefeiert werden; die Fertigstellung der Halle war für die Frühjahrsmonate vorgesehen.
 
Durch wohlwollende Unterstützung maßgeblicher Stellen gelang es uns, unser zukünftiges Fluggelände Vahrenwald-Nord im Rahmen einer schulmäßigen Übung durch GSO-Einheiten planieren zu lassen. Ein danach erfolgter Probestart brachte uns für die kommende Flugsaison die Gewissheit, dieses Gelände als Segelflugplatz zugelassen zu bekommen.
 
An Erfolgen konnten wir in diesem Jahr wieder zwei Leistungsabzeichen in Silber sowie eine Gold-C mit drei Brillanten verbuchen. Neben dem Wiederaufbau der Halle wurde an einem neuen Leistungssegler vom Typ Ka 8 gebaut.
 
1959
Wenn wir im Zeitabschnitt 1955 von der notwendigen Stetigkeit der Clubführung sprachen, so änderte sich das leider in zunehmendem Maße in den Monaten ab Juni 1959. Ausgenommen hiervon blieb nur das Amt des Präsidenten, das – ein ruhender Pol in der Erscheinungen Flucht – nach wie vor und bis auf den heutigen Tag von Dr. Ing. Max Müller, dessen Fürsorge der HAeC auch sonst viel zu verdanken hat, wahrgenommen wird. Der geschäftsführende Vorstand ab Juni 1959 bestand aus den Mitgliedern Millington-Hermann und Gerhard Heyne, dieser zugleich Leiter der Modellflug-Abteilung. Ersterem folgte im Oktober Clubkamerad Rexhausen als Vorsitzender, der die wenig angenehme Aufgabe, den HAeC durch die von den Motorfliegern ausgelöste ernste Krise zu steuern, nach besten Kräften zu lösen versuchte.
 
Die weiteren Arbeiten in den Wintermonaten 1959/60 verliefen termingerecht, so dass 1959 das bisher erfolgreichste Jahr für die Abteilung Segelflug zu werden versprach. Sechs Segelflugzeuge absolvierten in vielen Leistungsflügen eine Strecke von über 3700 Überland-Kilometer. Die Doppelsitzer-Schulung der Anfängergruppen fand daneben auf dem neuen Gelände Vahrenwald-Nord statt. Für uns ein bis dahin ungekannter Genuss, ausnahmslos auf eigenem Platz fliegen zu können. Drei weitere Silber-C-Piloten sowie der 2. Sieger durch die Teilnahme unserer Mannschaft an den Deutschen Meisterschaften in Karlsruhe und der 1. Sieger des dezentralen Wettbewerbs kamen aus den Reihen des HAeC! Nicht nur diese Leistungen, auch die sonstige aktive Mitarbeit der Clubmitglieder ermöglichten uns – schon im Juli 1959 – die Taufe unseres neuen Leistungseinsitzers Ka 8 und die Einweihung der Halle und Werkstatt. Wir hatten endlich wieder eine fliegerische Heimstätte gefunden!
 
1960
In ungezählten Baustunden wurden die noch erforderlichen Arbeiten an Halle, Werkstatt und Gelände für die kommende Flugsaison geleistet. Die großartigen Erfolge der letzten drei Jahre waren es, die unserem Vorsitzenden und Leiter der Segelflug-Abteilung Hans Böttcher die Teilnahme an der 8. Segelflug­welt­meisterschaft in Köln ermöglichten. Es war, seit Arthur Martens, das erstemal, dass ein Segelflieger aus Niedersachsen und Mitglied des HAeC sich bis in die Reihe der besten deutschen Segelflieger hoch­gearbeitet hatte! Und man wird es verstehen, dass wir darauf stolz waren und noch sind – Zwar konnte unser Mann nicht die Palme des Sieges erringen, aber bei der übergroßen Konkurrenz und dem reichlichen Pech des HAeC-Bewerbers war der 29. Platz in der Standard-Klasse noch durchaus als besonderer Erfolg zu werden. Beim nächsten Mal – 1962 – soll es natürlich besser klappen – wenn der HAeC wieder mit dabei sein darf, was wir hoffen.
 
An Leistungsflügen wurden 1960 in der Luftlinie fast 2000 km erreicht, dazu gab es zwei Silber-C. Und das Erfreulichste für die Leitung der Segelflug-Abteilung und damit für uns alle im HAeC: Ein drittes Jahr verlief abermals mit einem unfallfreien Flugbetrieb!
 
Was weniger erfreulich war, das war die Dauerkrise im Klub, die sich noch bis zum Mai 1960 hinzog. Dann endlich trat eine Beruhigung der Verhältnisse ein mit der Wahl von Hans Böttcher zum Vorsitzenden. Zusammen mit Gerhard Heyne als seinem Stellvertreter leitete er nun die Geschicke des HAeC und repräsentierte den Club am Tage seines 40jährigen Bestehens...
 
1961
Dem Jahr schon jetzt, da sich diese Zeilen im Druck befinden, ein fliegerisches Horoskop zu stellen, wäre verfrüht. Denn die Flugsaison ist erst seit kurzem eröffnet, und unsere Teilnahme an der Deutschen Segelflugmeisterschaft (20.5. bis 3.6.) in Braunschweig steht bevor. So können wir nur sagen: Toi, Toi, Toi ...
 
Was wir aber mit Sicherheit behaupten dürfen, ist das: 1961 wird als Markstein in die Geschichte des HAeC eingehen. Haben wir doch ein doppelt freudiges Ereignis zu verzeichnen – die Einweihung des HAeC-Clubheims am Tage des Clubjubiläums!

 

40JahreHAeC