Auszug aus der Festschrift

„50 Jahre Hannoverscher Aero-Club e.V.“
aus dem Jahre 1971

 
 
1960
Die Folgen der stürmischen Entwicklungen des Vorjahres beschäftigten natürlich auch noch die Jahresversammlung 1960. (Die größte Teil der Motorflieger hatte seinen Austritt erklärt, das Segelfluggelände Vahrenwald-Nord wurde uneingeschränkt für den Segelflug zugelassen usw.)
 
Auf einer außerordentlichen Jahresversammlung wurde der Bau eines Clubhauses mit 150 000 Mark beschlossen. Manch einer ging an diesem Tage mit etwas weichen Knien nach Hause.
 
Die Finanzierung verdankte der HAeC verschiedenen günstigen Umständen:
Olga Jatho hatte dem HAeC ein Erbe zugedacht. Die umfangreiche Eigenarbeit der Klubmitglieder, die finanzielle Unterstützung der Stadt Hannover und der Umstand, dass Klubmitglied Adolf Schoppe den – konkurrenzlosen – Ausschreibungswettbewerb gewann, halfen ebenfalls mit. Motor und Manager war Hans Böttcher. Mit ihm wollte in dieser Zeit wohl keiner tauschen. Lange Diskussionen gab es nicht. Die kurze Bauzeit von zwölf Monaten für den ersten Bauabschnitt machte die Mitglieder des HAeC zu Optimisten: Auch das Klubhaus, zweigeschossig, komplett mit allen Einbauten, sollte ebenfalls in zwölf Monaten stehen. Das 40jährige Bestehen des Hannoverschen Aero-Clubs war der Termin.
 
So wurde bei schlechtem Flugwetter gebaut, gebaut und nochmals gebaut. Und schlechtes Wetter herrschte im Sommer 1960 nur einmal, das war immer! Die Ausbeute an Streckenflügen war gering. Vielleicht ist gerade aus diesem Grunde die Leistung von Doris Meinhardt als Klubsiegerin in der Nachwuchsklasse umso höher zu bewerten. Kurt Richter wurde Sieger der Leistungsklasse. Beide erhielten einen Silberbecher aus dem Besitz von Karl Jatho als Wanderpokal. Karl Jatho hatte die Trophäen vor mehr als einem halben Jahrhundert gewonnen.
 
Im Dezentralen Wettbewerb auf Landesebene kamen Hans Böttcher, Kurt Richter und Hans Ahlswede auf den sechsten Platz und Doris Meinhardt, Fritz Bade und Herbert Welle mit dem „Grunau Baby II b“ auf den zwölften Rang.
 
Die vom Wetter weniger abhängige Schulung der Nachwuchsflieger hatte einen großen Anteil an der Zahl der Starts in diesem Jahr. 2061 Starts wurden notiert, 382 Stunden geflogen. Je sieben B- und C-Prüfungen, acht Luftfahrerscheine der Klasse I, elf Luftfahrerscheine der Klasse II, vier Führerscheine für Startwindenfahrer und zwei Silber-C waren das stolze Ergebnis des Jahres. Rudi Holz und Herbert Welle begangen ihre Ausbildung als Fluglehrer.
 
Für Hans Böttcher war es neben dem außergewöhnlichen Einsatz für den Klub auch ein Jahr sportlicher Erfolge. Der zweite Platz der Deutschen Meisterschaft 1959 hatte ihn in den Kreis der Nationalmeisterschaft des Deutschen Aero-Clubs gebracht. Er startete zur Welt­meisterschaft 1960 in Köln. Es war für ihn und die Mannschaft des HAeC – Hans Ahlswede, Joachim Zühlke, Paul Lippert – ein stolzer Erfolg, zu dem Kreis der Besten der Welt zu gehören. Einmal dort zu fliegen, wo die Besten der Welt sich messen, das macht schon stolz. Es war zwar nicht ganz die Palme des Sieges, die mit nach Hause gebracht wurde, aber dafür war es ja auch eine Weltmeisterschaft.
 
1961
Die Jahreshauptversammlung am 27. Januar brachte die Bestätigung: Das Klubhaus würde bis zum Jubiläum im Juni fertiggestellt werden. Hans Böttcher wurde erneut mit seinen bewährten Mitarbeitern in den Vorstand gewählt.
 
Am 24. Juni feierte der Hannoversche Aero-Club die Einweihung des Klubhauses und das 40jährige Bestehen. Keine Frage: Ohne fremde Hilfe wäre die neue Heimat und Basis sicherlich nicht so schnell Wirklichkeit geworden.
 
Der 24. Juni bestätigte deutlich sichtbar, dass die Gemeinschaft innerhalb weniger als vier Jahre zu beispielhafter Leistungsfähigkeit zurückgekehrt war. Die Berserkerwut im handwerklichen Aufbau hatte das wichtige Verhältnis des Hannoverschen Aero-Clubs zur Landeshauptstadt Hannover endlich auf den verdienten Stand gebracht. Freunde, Gönner, Offizielle des DAeC, des Landesverbandes, Vertreter der Ministerien, der Stadtverwaltung, der Wehrbereichsverwaltung, der Technischen Hochschule, Flieger aus Österreich und Holland kamen zu dem großen Tage des HAeC. ....
Mit den Worten: „Bewahren Sie das Bauwerk, hüten Sie es vor Zwietracht und Feuersbrunst, haben Sie Freude daran“, empfing der Vorsitzende Hans Böttcher aus den Händen des Architekten, Dipl.-Ing. Norman Apel, den Schlüssel für das neue Haus...
 
Spricht man jedoch von dem Flugbetrieb 1961, muss man über das Wetter sprechen. Es war so mies, dass die Meteorologen bei jedem Anruf mit eingezogenem Kopf den Hörer abnahmen. Die einzige Voraussage, die sie in dieser Zeit wagten, war, dass gegen Abend mit zunehmender Dunkelheit zu rechnen sei. Damit behielten sie sogar recht. Die Deutschen Segelflugmeisterschaften, an denen wieder Hans Böttcher teilnahm, verregneten. Kann man der Startkladde wirklich Glauben schenken, dann waren nur vier Tage (noch einmal: vier Tage) des ganzen Jahres für segelfliegerische Leistungen zu nutzen. Etwas besser hatten es die Holländer, bei denen Rolf Skubich und Carsten Lindemann einige Wochen zu Gast waren.
 
Wäre 1961 nicht die Einweihung des Klubhauses gewesen, hätte der HAeC nicht das 40jährige Bestehen gefeiert, es wäre kaum etwas zu berichten gewesen. Rudi Holz und Herbert Welle wurden Fluglehrer, vier Mitglieder schafften die Silber-C, vier Luftfahrerscheine, elf Flugfunkprüfungen, vier B- und drei C-Prüfungen waren die sportliche Ausbeute dieser Saison.
 
1962
Das Jahr begann mit einem Donnerschlag: Hans Böttcher flog zur Jahreswende als erster Segelflieger der Welt in Kimberley während der Internationalen Südafrikanischen Meisterschaften ein 520-km-Dreieck in 5:51 Std. Er war der erste und schnellste von fünf Piloten, der diese Traumgrenze erreichte. Er folg auch noch deutsche Rekorde über 100-km- und 200-km-Dreieck: .... Mit über 100 km/h erreichte Hans Böttcher dabei eine nicht für möglich gehaltene Durchschnittsgeschwindigkeit. Damit wurden im Segelflug neue Maßstäbe gesetzt. Bei den Deutschen Meisterschaften gehört seitdem ein 500-km-Dreieck bereits zum Tagesprogramm. Aber 1962 war ein 300-km-Dreieck so etwas wie eine Traumgrenze.
 
Auf der Jahresversammlung am 23. Februar wurden Dr. Max Müller wieder zum Präsidenten und Hans Böttcher zum ersten Vorsitzenden gewählt. Die Versammlung beschloss, eine Umlage von 20 Mark pro Mitglied zu erheben. Die Umlage sollte zur Erhaltung der Klubanlage sein.
 
Aus Südafrika kam Hans Böttcher als zweitbester Teilnehmer zurück, bei den Deutschen Segelflug-Meisterschaften in Freiburg fehlte ihm das Quäntchen Glück, um ganz vorn zu sein. Glücklicher war Herbert Welle, der bei den Norddeutschen Meisterschaften in Wunstorf unter 40 Teilnehmern einen ausgezeichneten vierten Platz belegte. Wenn man bedenkt, dass er erst am Anfang seiner Überland-Erfahrungen stand... Die Bilanz von 1962 unterstrich, dass der Verein die Aufbaujahre hinter sich hatte. Der HAeC stellte mit Böttcher auf „Ka 6“, Müller auf „Spatz“ und Welle auf „Ka 8“ die beste Mannschaft von Niedersachsen im Dezentralen Wettbewerb.
 
Damit Theo Wichert, Rudi Holz und Oskar Meinhard nicht aus der Übung kamen, wurde der Bau einer Rhönlerche beschlossen. Somit konnten Schulung und Ausbildung noch mehr ausgedehnt werden.
 
Elly Beinhorn-Rosemeier besuchte am 31. Oktober ihre alte Heimatstadt Hannover. Nach einem Vortrag „Im Kleinflugzeug um die Welt“ war Elly Beinhorn – Ehrenmitglied des HAeC – Gast im Klubheim. In Hannover hatte Elly Beinhorn einst den Weg zur Fliegerei begonnen. Durch die Fliegerei hatte sie Freunde in aller Herren Länder und war in der ganzen Welt bekannt geworden.
 
Zwei Mitglieder des HAeC feierten in diesem Jahr noch ihr eigenes privates Jubiläum: Der stellvertretende Vorsitzende Gerhard Heyne war vierzig Jahre Modellflieger und Karl Schmidt genauso lange aktiver Segelflieger.
 
Ein langer Winter sorgte dafür, dass die Rhönlerche fertig wurde. Die Firma Schleicher teilte mit, dass der Leistungssegler Ka 6 CR zur Abholung bereitstände. Kurt Richter, Hans Heinemann, Karl Schmidt und viele fleißige „Schaffer“ hatten den Transportanhänger bereits „selbstgestrickt“.
 
1963
Die Jahresversammlung am 12. Februar 1963 brachte dem HAeC einen neuen Vorstand. Hans Böttcher bat, einmal ohne Sorgen um den Verein fliegen zu dürfen. Zu seinem Nachfolger als erster Vorsitzender wurde Dr. Helmut Moser gewählt...
 
Der neue Vorstand – Devise: Neue Besen kehren gut – machte sich mit frischem Schwung an die Arbeit. Der Plan, eine Motorflugabteilung ins Leben zu rufen, wurde nach sorgfältiger Prüfung wieder fallengelassen. Die Schwierigkeiten mit dem Fluggelände in Vahrenwald-Nord waren zu groß. Außerdem bestand ja mit dem Fliegerclub Hannover bereits ein sehr zugkräftiger Motorflugverein.
 
Man widmete sich also wieder dem Segelflug. Bereits am 27. April setzte Hans Böttcher mit einem 345-km-Dreieck den Maßstab für die Saison. Acht Tage später machte Fritz Müller dieses Kunststück nach.
 
Bei den Niedersächsischen Segelflug-Meisterschaften vom 25. Mai bis 2. Juni war der HAeC durch Hans Böttcher, Herbert Welle und Fritz Müller vertreten. Dr. Hans Pietsch, damals noch Student in Göttingen, wurde hinter Horst Schlüter vom LSV Burgdorf zweiter. Hans Böttcher landete auf dem fünften Rang. Herbert Welle und Fritz Müller vereinten sich im Mittelfeld. Dieser Wettbewerb hatte nur einen Tag, der etwas mehr als „Segelflieger-Eintopf“ versprach. Herbert Welle ergriff die Gelegenheit und erfolg seinen ersten Diamanten. Das Ziel seines Überlandfluges war Holland.
 
Im Juli fuhr die Jugendgruppe nach Bristol...
 
1963 war das Jahr der Flugvorführungen. Der Hannoversche Rennverein erlaubte eine Landung einer Ka 8 während eines Renntages in Bischofshol. Die zweite Vorführung galt dem Gedenken Karl Jathos. Von Hildesheim aus wurden wir im Verbandsflug mit drei Segelflugzeugen zur 60-Jahr-Feier nach Langenhagen geschleppt. Der Flug klappte, obwohl vorher noch nie geübt, ausgezeichnet. Aber vorher herrschte natürlich Riesenaufregung. Es waren zwar drei Schleppmaschinen da, aber keine Seile. Innerhalb von wenigen Minuten wurden die Seile aufgetrieben. Ab ging die Post. Die drei Schleppflugzeuge brachten den Geleitzug auch innerhalb von drei Minuten wieder im Verband aus der Kontrollzone Langenhagen heraus.
 
„Wat dem einen sin Uhl, ist dem andern sin Nachtigall“, sagt der Volksmund. Irgendwo hatte ein amerikanischer Straßenkreuzer, 262 PS, Vergaserbrand. Eine Idee wurde geboren: Das wäre doch ein Motor für die Winde ...“ So bekam die neue Doppeltrommelwinde für 1000 Mark einen neuen Motor. Franz Menzel griff zum Zeichenstift. Es fehlte nur noch das Geld. „Schnöder Mammon“ oder deutlicher gesagt: Immer diese Bettelei!
 
Was wurde geflogen? 3 117 Starts, 682 Stunden, über 5 000 km, 27 Flüge mit durchschnittlich fast 190 km. Hans Böttcher musste vorzeitig in Langenhagen wegen fehlender Thermik landen und das auf dem Rückweg bei einem 430-km-Dreiecksflug. Die Fluglehrer brachten 31 Schüler zur A, 24 zur B, 14 zur C. Den Luftfahrerschein der Klasse I oder II bestanden 10 Mitglieder, zwei die Silber-C und 21 Mitglieder legten die Prüfung für das Flugfunkzeugnis ab. Klubmeister wurden Carsten Lindemann und Hans Böttcher.
 
1964
Hans Böttcher kam mit zwei neuen deutschen Rekorden aus Südafrika zurück. Während des Internationalen Wettbewerbs in Kimberley ging er wieder auf Rekordjagd. Das inzwischen als FAI-Disziplin geführte 500-km-Dreieck flog er mit einem Schnitt von 101,13 km/h. Das war Deutscher Rekord. Das 300-km-Dreieck legte er mit einer Geschwindigkeit von 96,05 km/h zurück. Damit hielt Hans Böttcher die deutschen Rekorde über 100-, 300- und 500-km-Dreiecksflüge. Eine tolle Serie!
 
Auf der Jahresversammlung am 4. Februar hob der Vorstand mit Dr. Moser an der Spitze den Zuwachs des Klubvermögens durch die Fertigstellung des Übungsdoppelsitzers „Rhön-Lerche“ und den Neukauf einer Leistungsmaschine „Ka 6“ hervor. Auf dem Spendenwege rollte ein guterhaltener VW-Bus in den Besitz des HAeC.
 
Drei Nachwuchspiloten von Vahrenwald-Nord versuchten sich auf einem Bezirkswettbewerb des Landesverbandes... (Namen wurden nicht genannt)
 
„Hammerwetter“ würde man heute über das Wetter 1964 sagen. Die Liste der Überlandflieger wurde länger und länger. Rudi Holz, Helge Madsen, Detlev Jacke und viele andere, die sich sonst lieber in Platznähe aufhielten, zogen plötzlich in die Ferne. Dr. Winfried Wüstefeld erflog sich den ersten Diamanten mit einem Flug über Bielefeld und Kassel. Ohne die Flüge in Afrika zu zählen, kam der HAeC wieder auf mehr als 5 000 km Streckenflüge. Es wurden allein sieben Dreiecke mit mehr als 300 und 400 km notiert. Die Durchschnittsleistung aller Flüge betrug 172,6 km.
 
Als dritter Eigenbau seit 1958 entstand in eigener Regie eine Ka 8 b. Theo Wichert, Rudi Holz und Oskar Meinhardt sorgten in bewährter Regie für die Bauleitung.
 
Aus Jugendlichen werden Senioren, aus Schülern Flieger. Kein Wunder, dass die Ausbeute des Jahres 1964 nur sieben A-, fünf B-, sechs C-Prüfungen waren. Dazu kamen noch vier Luftfahrerscheine Klasse I und fünf der Klasse II. Die Bedingungen für das Leistungsabzeichen in Silber wurden fünfmal, für den Diamanten zur Goldenen C zweimal erfüllt. Fritz bade nahm an einem Lehrgang für Funksprechwarte teil.
 
Gerade die Funkgeräte hatten für die Flieger des HAeC, die ja innerhalb der Kontrollzone Langenhagen zu Hause waren, große Bedeutung. Der HAeC leistete seinen Beitrag zur Sicherheit: 1964 hatten alle Flugzeugführer auch das Flugfunkzeugnis.
 
1965
Die Chronik verlangt Objektivität. In diesem Jahr gab es Streit. Von höchstamtlicher Stelle der Stadt wurden Klagen einer Anwohnergemeinschaft überreicht, in denen es hieß, die Schnurrerei der Modellflugzeuge übertöne die feierabendliche Stille berufsleidgeprüfter Gartenbesitzer. Einwand des Klubs. Phonmessungen. Diskussionen. Einschränkung des Modelflugbetriebes. Schalldämpfung. Erneute Klage. Nachdruck von amtlicher Seite. Drohung mit Zwangsmaßnahmen. Endlose Schreiberei.
 
Hans Böttcher hatte am 31. Januar wieder den Platz als erster Vorsitzender eingenommen...
Nach dem Bericht der Jugendleitung hatten sich 15 neue Jugendliche angemeldet. Eine größere Spende der Stadt Hannover für vorbildliche Jugendarbeit schlug angenehm zu Buch. Auch die Modellflugjugend bekam ihren Anteil aus dieser Beihilfe.
 
Auf Vahrenwald-Nord begann es allmählich zu wimmeln. Rund sechzig Jugendliche, alle neu im Metier gingen an den Start. Doris Meinhardt widmete sich dieser neuen Aufgabe mit soviel Einsatz und Schwung, dass es ihr sogar Lob von höchster Stelle einbrachte. Oskar Meinhardt und Herbert Welle waren Jugenderzieher, wie man sie sich besser nicht vorstellen konnte.
 
Im Leistungssport wurde das Vorjahr noch übertroffen. Die Grenze von 10.000 km Überlandflüge wurde fast erreicht. Hans Böttcher und Fritz Müller, von seinen Freunden nur „Fritze Schrott“ gerufen, starteten zur Landesmeisterschaft in Diepholz. Hans Böttcher mit seiner „Ka 10“, die für ihn maßgeschneidert zu sein schien, holte sich den Meistertitel in einem Wettbewerb, von dem die Flieger heute noch schwärmen.
 
Hans Böttcher rundete den Erfolg von Diepholz noch dadurch ab, dass er als erster deutscher Segelflieger im Juli in Frankreich den Europa-Cup gewann. Herbert Welle erlebte, nachdem er vorher mit einzelnen Vereinskameraden den Alpenflug kennengelernt hatte, ein Sommerlager in Zell am See. Mit Flugzeug, Kind und Kegel zog eine Gruppe los und kehrte mit den besten Erinnerungen vom Flug über Felsen und Gletscher heim.
 
Die neue Ka 8 wurde am 30. August auf dem Segelfluggelände auf den Namen „Stadt Hannover“ getauft. Der Name „Hannover“ sollte ein Zeichen des Dankes an die Stadt Hannover sein. Stadtrat Heinz Lauenroth bezeichnete das neue Übungsflugzeug für die vielen jugendlichen Mitglieder als weiteren Fortschritt des Aufbaues. Die Taufe mit der Namensgebung sei eine Ehre für die Stadt, betonte Heinz Lauenroth. Besonders erfreut sei er über die große Zahl der Jugendlichen. Er hoffe, dass die Jugend die Tradition des HAeC fortsetzen werde.
 
1966
Nach den Berichten der Rechnungsprüfer wurde das Klubvermögen an Bauten und Flug- und Startgerät auf rund 450 000 Mark geschätzt. Direktor Dipl.-Ing. Pätzolt wurde als Präsident bestätigt, Hans Böttcher blieb an der Spitze des Vorstandes. Gleich zu Beginn des Jahres holte sich Hans Böttcher auch den Rekord im 300-km-Dreieck: Er verbesserte seine eigene Rekordleistung in Kimberley auf 115,5 km/h. Herwig Pannenberg kam bei den Meisterschaften in Braunschweig auf den zweiten Platz. Ein gutes Ergebnis, wenn man bedenkt, dass er vorher die „Ka 6 CR“ noch nicht geflogen hatte. Herbert Welle, Dr. Winfried Wüstefeld und Fritz Müller belegten Plätze im ersten Drittel. Dr. Winfried Wüstefeld erflog sich mit seiner „Ka 6 E“ in Issoire (Frankreich) einen Diamanten zur Gold-C. Theodor Wichert und Joachim Zühlke polierten ihre Kenntnisse bei einem Fluglehrer-Überprüfungslehrgang auf Juist auf.
 
Eine kleine Gruppe zog es wieder nach Zell am See. Sie kamen in ein Katastrophengebiet. Aber trotz der großen Überschwemmungen verloren sie den Humor nicht.
 
Unser Gelände wurde nach Abschluss der Flugsaison im östlichen Teil planiert und mit neuen Rückholbahnen versehen.
 
Und noch etwas blieb in Erinnerung: Der stets zu Späßen aufgelegte Fritz Müller start Ende des Jahres an den Folgen einer tückischen Krankheit.
 
Die Zahlen der Statistik spiegeln die Betriebsamkeit wider: 3 624 Starts, 1 004 Flugstunden, über 5 000 Überlandkilometer und viele Einzelflüge, Durchschnittslänge fast 200 km. 17 A-, acht B- und fünf C-Prüfungen, zwei silberne Leistungsabzeichnen wurden erflogen.
 
1967
Auf der Jahresversammlung 1967 wurde der Bericht der Jugendleiterin Doris Meinhardt mit besonderem Beifall bedacht. Im HAeC befanden sich 70 Jugendliche im Alter bis zu 25 Jahren, von denen 45 aktiv an der Segelflug-Ausbildung teilnahmen. 22 hatten schon ihre ersten Alleinflüge absolviert, darunter acht Mädchen! Die Landeshauptstadt unterstützte diese vorbildliche Jugendarbeit. Die Aufnahme von jugendlichen Mitgliedern musste gestoppt werden, da die Kapazität der Ausbildungsmöglichkeiten einfach erschöpft war. Der erste Vorsitzende Hans Böttcher an der Spitze des Vorstandes wurde einstimmig wiedergewählt.
 
Die altbewährte HAeC-Klubzeitung musste eingestellt werden.
 
Zum Ende der Saison konnten über 10 000 Überlandkilometer, 62 Streckenflüge – durchschnittlich 193 km – vorgewiesen werden. Im Dezentralen Wettbewerb kam Hans Böttcher in Niedersachsen auf den zweiten Platz. Die Mannschaft Böttcher – Wüstefeld – Pannenberg sicherte sich den vierten Rang.
 
Die gleiche Mannschaft beteiligte sich auch am Europa-Cup-Treffen in Angers. Hans Böttcher wurde 10. von 58 Teilnehmern. Den Pokal konnte er also nicht behalten. Einen guten 35. Platz erflog Dr. Wüstefeld, der bei den Belgischen Meisterschaften als Gast recht erfolgreich gewesen war. Herwig Pannenberg hatte nicht so viel Glück...
 
Die Jugendgruppe flog gute Leistungen während der Sommertage auf dem Jugendhof von Juist...
 
Drei Todesfälle erschütterten den Klub in schneller Folge:
Im Sommer verunglückte Kurt Richter in der Nähe von Rinteln mit seinem privaten Flugzeug tödlich.
Franz Menzel, wohl eines der aktivsten Mitglieder der HAeC-Gemeinschaft, ein vermeintlicher alter Haudegen, kam nach mehrmonatigem Krankenhausaufenthalt in das Klubhaus, um sich gesund pflegen zu lassen. Er setzte seinem Leben selbst ein Ende.
Im Dezember erlag Herbert Welle einem Herzschlag. Er hinterließ eine besonders große Lücke.
 
Franz Menzel war „Konstrukteur, Erbauer und Herr“ zugleich bei dem neuen Windenprojekt. Herrmann Utermöhlen, Karl Schmidt, Wolfgang Schneider und Rolf Skubich machten sich dankenswerterweise an die Weiterführung des Projektes. Hans Heinemann vollendete das Werk 1969.
 
Hauptsächlich die Jugendgruppe absolvierte 9 A-, 14 B- und 9 C-Prüfungen. Zweimal wurden die Bedingungen zum silbernen Leistungsabzeichen erfüllt, einmal zur Gold-C.
 
1968
Hans Böttcher zog es gleich zu Beginn des Jahres wieder nach Südafrika. Bei den Internationalen Meisterschaften in Bloomfontein kam er auf einen guten sechsten Platz. Die beste Leistung war ein 442-km-Ziel-Rückkehrflug, der in 4.42 Std. bewältigt wurde. Über 50 Flugstunden, mit mehr als 2 500 Überlandkilometer, waren allein die Ausbeute von Hans Böttcher in Südafrika.
 
Die Jahresversammlung ergab, dass die Sparten Segel- und Modellflug zu einem Arbeitsvorstand zusammengefasst wurden. Hans Böttcher (erster Vorsitzender), Otto Versemann (Schriftführer), Detlev Jacke (Schatzmeister), Gerhard Heyne (zweiter Vorsitzender), so lautete der neue Vorstand. Der Segelflug-Abteilung gehörte inzwischen 80 Prozent des Klubvermögens. Eine Blechhalle für die Unterstellung von Startgeräten erstand. Mit Alfred Hein und Gaidis Neimanis erhielt der Klub zwei neue Fluglehrer. Die seit zehn Jahren im Dienst „ergrauten“ Fluglehrer Meinhardt, Wichert und Zühlke waren über diese Entlastung mehr als froh.
 
Dr. Winfried Wüstefeld eröffnete die Saison mit einem 240-km-Dreieck-Flug im April. Zwei Meisterschaften bestimmten alle Planungen der Saison. Hans Böttcher ging mit seinem Cirrus zu den Deutschen Meisterschaften nach Oerlinghausen, verstauchte sich bei einer Landung gleich das Rückgrat und musste aufgeben. Dr. Wüstefeld lag bis zur Halbzeit gut im Wettbewerb, rutschte dann jedoch ab und musste mit einem Platz im zweiten Drittel zufrieden sein. Herwig Pannenberg machte es umgekehrt. Er hatte zu Beginn Pech und arbeitete sich dann auf den sechsten Platz nach vorn.
 
Am 28. Juli waren von Vahrenwald-Nord Streckenflüge vorgesehen. In der Maschine von Dr. Wüstefeld löste sich eine vom Hersteller angebrachte Instrumentenflasche. Das Ruder klemmte, Dr. Wüstefeld stürzte aus niedriger Höhe ab. Nach etwas mehr als einer Woche erlag er seinen Verletzungen. Wieder wehten die Fahnen auf Halbmast über Vahrenwald-Nord.
 
Hans Heinemann gelang ein Leistungsflug über 300 km. Mit 2 185 Starts blieben die Startzahlen um etwa 1 500 hinter denen des Vorjahres zurück. 7 082 Überland-Kilometer waren beachtlich, wenn man bedenkt, dass der beste Pilot des HAeC, Hans Böttcher, die ganze Saison lang nicht an den Start gehen konnte. Elfmal wurde der Luftfahrerschein der Klasse I, sechsmal der Klasse II erflogen. Fünf A-, vier B- und sieben C-Prüfungen sowie eine Silber-C rundeten das Bild ab.
 
1969
Hans Böttcher und Gerhard Heyne stellten sich auf der Jahresversammlung nicht wieder zur Wahl. Erster Vorsitzender wurde Herwig Pannenberg, zweiter Vorsitzender Joachim Zühlke, Schriftführer Michael Schmidt und Schatzmeister Detlev Jacke. Der Bestand an Leistungsflugzeugen wurde um eine weitere „Ka 6 CR“ bereichert, das „Grunau Baby“ verkauft. Es wurde also von der Schulung bis zum Leistungsflug nur auf Schleicher-Typen geflogen. Zwei Fallschirme und zwei Funkgeräte wurden zur Vervollständigung des Geräteparks angeschafft.
 
Auch die Doppeltrommel-Startwinde wurde vollendet. „Wunderschleuder“ wurde sie in Segelfliegerkreisen genannt. Obwohl viele Teile gespendet worden waren, kostete der Bau immer noch 10.000 bis 15.000 Mark.
 
Der erfolgreichste und zufriedenste Pilot dieser Saison war Herwig Pannenberg, der als Zweiter von der Segelflug-Woche in Köln zurückkehrte. Er flog außerdem drei ausgezeichnete Dreiecksflüge über eine Distanz von jeweils 330 km.
 
Die Segelflieger des HAeC starteten bei den Deutschen Meisterschaften in Roth/Nürnberg und beim Deutschen Segelflug-Wettbewerb. Die Klubmeisterschaft sicherte sich Gaidis Neimanis vor „Mariechen“ Hermann Utermöhlen.
 
Ein Ferienfliegen im Juli brachte bei guter Beteiligung auch ausgezeichnete Leistungen: Fünf A-, drei B-, drei C-Prüfungen, drei Luftfahrerscheine, zwei silberne Leistungsabzeichen und drei Bedingungen für die höchste Auszeichnung, den Diamanten zur Gold-C wurden erflogen. 2.427mal starteten die Segelflugzeuge des Klubs und waren 573 Stunden in der Luft. Die Leistungsflieger kamen auf 6.150 Überland-Kilometer. Alles in allem: Ein gutes Jahr.
 
1969 feierte man heimlich, still und leise ein kleines Jubiläum: 10 Jahre wurde auf Vahrenwald-Nord bereits geflogen. In diesen 10 Jahren kamen die Segelflieger auf 30.190 Starts, 8.124 Flugstunden und 60.945 Überland-Kilometer. Mehr dazu in der Festschrift „1969 – 10 Jahre Vahrenwald-Nord“.
 
1970
Gleich zum Auftakt der Flugsaison 1970 wurde auch für den Luftsport geworben. Die Ausstellung „Hobby – Freizeit – Sport – Camping“ in und auf dem Ausstellungsgelände der Stadthalle wurde mit einem Hochleistungssegler vom Typ „Ka 6 CR“ – voll instrumentiert mit Funke und Fallschirm – sowie einem fahrbaren Segelflugkontrollturm und verschiedenen Segelflugmodellen beschickt. Der Zuwachs an aktiven Mitgliedern bestätigte den Erfolg der Werbung. Der gut aufeinander abgestimmte Flugzeugpark – zwei Segelflugzeuge Typ „Ka 8“, ein Leistungsdoppelsitzer „Ka 7“, eine „Rhönlerche“ für die Grundausbildung, eine „Ka6 CR“ und  für ganz anspruchsvolle Flieger die „Ka 6 E“ – bildeten eine gute Voraussetzung für die Zukunft.
 
Für die Landesmeisterschaft der Segelflieger in Bückeburg meldete der HAeC drei Mannschaften mit den Piloten Böttcher, Pannenberg und Neimanis. Bester Mann des HAeC wurde diesmal Herwig Pannenberg. Gaidis Neimanis hatte viel Pech, behielt aber seine sportliche Einstellung.
 
Von Vahrenwald-Nord wurden allein 29 Überlandflüge gestartet.
Als beste Leistung verzeichnete man einen 380-km-Dreiecksflug von Hans Böttcher auf seinem Standard-Cirrus und ein 360-km-Dreieck von Herwig Pannenberg. Ernst Kessler flog auf der „Ka 6 E“ in kurzen Zeitabständen ein 100-km-, ein 150-km-, ein 200-km- und ein 320-km-Dreieck. Gaidis Neimanis schaffte ein 320-km-Dreieck in 5.28 Std. Somit gab es zum ersten Male in der Geschichte des HAeC zwei Klubmeister mit der gleichen Leistungen in km  und Flugzeit: Ernst Kessler und Gaidis Neimanis.