Auszug aus der Festschrift

„60 Jahre Hannoverscher Aero-Club e.V. –

Luftsportgeschichte einer Stadt  –  1921 – 1981“

 
 
1972-1980                Neue Wege des HAeC
 
Große Turbulenzen, viel Arbeit und abwechselnde Barometerstände zwischen Tief und Hoch kennzeichneten das Vereinsleben in den siebziger Jahren. Nach den großen segelfliegerischen Erfolgen der sechziger Jahre flauten die Aktivitäten der Segelflieger ab. Leistungsmäßig rückten die Modellflieger in den Vordergrund.
 
Die Gründe der verminderten Aktivität der Segelflieger waren vielseitig. Ein neuer Segelflugplatz musste errichtet werden, und zwar dieses Mal 45 km von Hannover entfernt. Zum Glück brauchten die Modellflieger Hannover nicht zu verlassen. Die Clubanlagen konnten auch weiterhin von allen genutzt werden. Erfreulich dagegen war die Modernisierung im Flugzeugpark. Die Flugzeuge der Gemischtbauweise wurden durch moderne und wartungsfreundliche Kunststoffflugzeuge ersetzt. Doch dieser Schritt konnte nur durch die finanzielle Unterstützung der Mitglieder erfolgen.
 
1972
Ende März 1972 begann das Fliegen auf Vahrenwald-Nord mit gutem Wetter und bis Anfang Mai waren schon einige Erfolge zu verzeichnen. So hatten beispielsweise Herwig Pannenberg und Gaidis Neimanis schon je ein 320-km-Dreieck geflogen. ...
 
Im Juli 1972 feierte die „Akademische Fliegergruppe Hannover“ ihr 50jähriges Bestehen. Waren es vor einem Jahr die „Akaflieger“, die dem HAeC mit ihren Doppelsitzern und Piloten aushalfen, so war es diesmal umgekehrt. Bei schönem Wetter war auch dieses Fest ein voller Erfolg.
 

Vom 22. Juli bis 6. August fanden in Bückeburg-Weinberg die Niedersächsischen-Berliner Segelflugmeisterschaften statt. Den HAeC vertrat Herwig Pannenberg mit einem „Cirrus“. Noch kurz vor den Meisterschaften herrschte Bilderbuchwetter, doch vom 22. Juli bis 5. August ließ Petrus es pausenlos regnen. Am 6. August, das war der vorgesehene Tag für die Siegerehrung, schickte endlich Petrus prächtiges Segelflugwetter, und da es bis dahin nichts zu ehren gab, wurde nun eifrig geflogen. Herwig Pannenberg belegte in diesem Wettbewerb den 8. Platz in der Standardklasse und qualifizierte sich damit für die Deutschen Meisterschaften des nächsten Jahres.

 
Beim Dezentralen Wettbewerb in Niedersachsen erreichten in der Standardklasse Herwig Pannenberg den 5. Platz und in der Clubklasse Ernst-August Kessler den 13. Platz.
 
Auch zwei Privatjubiläen konnten 1972 gefeiert werden: Der 74jährige Karl Schmidt war seit 50 Jahren Segelflieger und wie er sagte, immer noch „jung genug fürs Fliegen“. Gerhard Heyne, der Leiter der Modellflugabteilung, erhielt für sein 50jähriges Wirken für den Flugsport die Dädalus-Medaille in Gold.
 
Weil das Flugwetter in der zweiten Hälfte der Saison so schlecht war, kamen die Arbeiten an dem Doppelsitzer ganz gut voran. So konnte der Rohbau der „ASK 13“ im Oktober vom Prüfer abgenommen werden.
 
1973
Das Jahr 1973 begann gleich mit Sorgen um die Zukunft des Vereins. Die Mitglieder zeigten ein mangelndes Interesse für das Clubgeschehen, erschienen nur spärlich zu den gemeinsamen Arbeiten, und die Anzahl der Starts und der Flugstunden lag deutlich unter denen der sechziger Jahre. Sicherlich hatten in der Vergangenheit die viele Arbeit (Jubiläum, Renovierung des Clubhauses, Bau der „ASK 13“) und das schlechte Wetter des vergangenen Jahres dazu beigetragen, dass die Stimmung der Mitglieder recht „müde“ wurde. Doch dieser Zustand durfte auf keinem Fall fortgesetzt werden. Es musste etwas geschehen, die Mitglieder auch bei mäßigem Wetter zum Start zu locken. Und so begann eine Idee zu keinem: Ein Motorflugzeug für den Flugzeugschlepp musste her.
 
Vahrenwald-Nord war ein Platz, der mit der Straßenbahn zu erreichen war. Dieses Glück hatten kaum andere Vereine. Aber er lag in der Kontrollzone des Flughafens Langenhagen und war dadurch mit vielen Einschränkungen behaftet. Die Segelflieger durften also nicht nach Lust und Laune, sondern nach Verfahren A, B oder C fliegen. Diese Einschränkungen der Aktivitäten, und weitere Einschränkungen die später noch hinzu kamen, machten das Fliegen bei gewissen Wetterlagen völlig uninteressant. Obwohl auf anderen Plätzen noch geflogen wurde, war in Vahrenwald-Nord schon längst alles tabu. Mit einem Schleppflugzeug hätte man bei solchen Wetterlagen auf anderen Plätzen, die für diese Startart zugelassen waren, weiterfliegen können. Es wurde also hin- und herdiskutiert und kalkuliert und bei der Jahreshauptversammlung am 5. April 1973 die Idee vom Vorstand dem großen Publikum vorgestellt. Was danach folgte, war ein langgezogenes Für und Wider. Es wurde ein Ausschuss gebildet, der alle mit dieser Anschaffung zusammenhängenden Fragen klären sollte. Zur Diskussion stand eine „Piper PA 18“ mit 150 PS.
 
Rolf Skubich, Gaidis Neimanis und Ernst-August Kessler belegten beim Niedersächsischen Dezentralen Wettbewerb in der Mannschaftswertung für die Clubklasse aus 18 Mannschaften den 2. Platz.
 
In der Werkstatt wurde nun endlich die „ASK 13“ fertig. Somit besaß der Hannoversche Aero-Club zu dieser Zeit zwei Maschinen vom Typ „KA 8“, eine KA 6 E“, eine KA 6 CR und zwei Doppelsitzer, die „KA 7“ und die „ASK 13“.
 
Bei der nächsten außerordentlichen Hauptversammlung am 4. September 1973 wurde nun der Kauf einer gebrauchten „Piper PA 18“ beschlossen. Das Motorflugzeug kostete 25.000,-- DM und sein Kaufpreis sollte durch eine Umlage und durch Spenden sowie Darlehen finanziert werden. Etwas später wurde das Flugzeug gekauft, doch die Probleme waren immer noch nicht vom Tisch. Es musste ein geeigneter Platz gefunden werden, denn in Vahrenwald-Nord durfte wegen der Geräuschbelästigung der Anwohner kein Motorflug stattfinden. So standen zur Debatte das „Gastleben“ der Hannoveraner bei einem anderen Club. Nach langem Suchen und Verhandeln stellten schließlich die Peiner ihren Platz auf der Glindbruchkippe zur Verfügung. Es war sogar möglich, das Motorflugzeug dort kostenlos unterzustellen. Diese freundliche Geste der Peiner Kameraden führte zu einer engen Zusammenarbeit auf dem Flugplatz. Es brachte auch viele freundschaftliche Beziehungen unter den Mitgliedern zustande.
 
1974

Hatte das Jahr 1973 mit Sorgen begonnen, so zeichneten sich am Horizont des Jahres 1974 dunkle Wolken ab. Der Grund war ein weiterer Missmut unter den Mitgliedern, verursacht durch die hohen Kosten der neuerworbenen Schleppmaschine und – das schlimmste – die geplante Erweiterung der Autobahn nördlich des Platzes. Gespräche zur Erweiterung der Autobahn gab es zwar schon seit einiger Zeit, aber da nicht ausreichend Gelder vorhanden waren, wurden die Pläne immer wieder verschoben. Nun schien es aber, als ob man bald mit dem Bau beginnen würde.

 

Die geplante Erweiterung hätte zwei Auswirkungen für die Segelflieger gehabt. Einerseits wäre die Autobahn noch näher und gefährlicher zu dem Platz gerückt und andererseits hätte eine ebenfalls geplante Neugestaltung der Ab- und Auffahrt Bothfeld ca. 300 m des östlichen Platzes in Anspruch genommen. Eine Verschiebung des Platzes nach Westen war nicht mehr möglich, da unmittelbar an seinem westlichen Ende ein Verbindungsweg für Fußgänger und Radfahrer zwischen Vahrenheide und (über die Autobahn) dem Erholungsgebiet Silbersee geplant war. Mit anderen Worten, würde eines Tages die Autobahn erweitert werden, so müssten die Segelflieger schnellstens an ein neues Gelände denken.

 

Inzwischen hatten sich im Verein zwei Gruppen gebildet, die „Peiner“ und die „Anti-Peiner. Die einen waren bereit nach Peine zu fahren und sich dort von der „Piper“ hochschleppen zu lassen, die anderen blieben lieber in Vahrenwald-Nord.

 
Anfang August wurden in Bückeburg-Weinberg die Niedersächsischen und Berliner Segelflugmeisterschaften durchgeführt. In der Standardklasse belegte Herwig Pannenberg mit seinem „Cirrus“ von 28 Teilnehmern den 16. Platz und in der Clubklasse kam Ernst-August Kessler mit der „KA 6 CR“ von 20 Teilnehmern auf den 11. Platz.
 

Gegen Ende des Jahres 1974, nachdem die Motormaschine nun eine Flugsaison hinter sich hatte, fiel auf einer Mitgliederversammlung im Dezember die Entscheidung, die Piper aus Kostengründen zu verkaufen und dafür ein Segelflugzeug vom Typ „Club Libelle“ zu kaufen. Auslösender Impuls für diesen Kauf war auch der vorausgegangene Verkauf der „KA 6 CR“ und die Tendenz, werkstattintensive Flugzeuge der gemischten Bauweise (Holz, Metall, Stoff) durch „Pflegeleichte“ sprich Kunststoff zu ersetzen.


1975
Anfang 1975 kam dann auch die neue „Club-Libelle“. Es war ein weißer, schnittiger „Vogel“, die erste clubeigene Kunststoffmaschine, die allerdings wegen ihres hohen Wertes nur den „Erfahrenen“ vorbehalten blieb.
 
Bei einem Flugbetrieb am 21. März 1975 fiel das Schleppseil durch eine Windböe auf die Autobahn und verursachte einen Autounfall, bei dem der Autofahrer verletzt wurde. Die Folge dieses Unfalls war die sofortige Sperrung des Segelflugplatzes bis zur Klärung der Schuldfrage. Eine Fahrlässigkeit im Flugbetrieb wurde nicht festgestellt, trotzdem wurde der Platz Ende Mai 1975 mit Einschränkungen wieder eröffnet, die größte Einschränkung war, dass nur noch bei Westwind geflogen werden konnte.
 
Dieser Unfall mit seinen Folgen und die fortschreitenden Pläne zur Erweiterung der Autobahn veranlassten die Segelflieger, in mehreren Gruppen auszuschwärmen, um ein geeignetes Gelände in einem Umkreis von Hannover zu suchen. Mitte des Jahres wurde südöstlich von Celle an der Straße von Oppershausen nach Lachendorf ein ca. 1.200 m langes Feld gefunden. Es lag in einer landschaftlich schönen Gegend, etwa 45 km von Hannover entfernt. Die unmittelbare Nähe der Heide versprach außerdem gute Thermik-Verhältnisse. Nach zähen Verhandlungen mit insgesamt 26 Behörden und Institutionen wurde der „Acker“ als Segelfluggelände zugelassen, allerdings ohne Flugzeugschlepp. 

1975wernerschorse
 
Und nun wurde wieder das Lied „An die Arbeit Kameraden“ gesungen. Am Ende des Jahres waren Telefon- und Stromkabel verlegt, der Platz planiert und eingesät, es war vorgesehen, möglichst im Juni 1976 den Flugbetrieb aufzunehmen.
 
Was die Fliegerei betrifft, so konnten selbstverständlich keine außergewöhnlichen Erfolge verzeichnet werden. Die meisten Mitglieder fuhren mit den Segelflugzeugen zu fremden Plätzen, vornehmlich zum Flugplatz Bückeburg-Weinberg, und ließen sich dort von Motormaschinen hochschleppen. Trotz des Ausweichens auf andere Plätze konnten von Ernst-August Kessler, Gaidis Neimanis, Rolf Kiesewetter und Rolf Skubich 300- und 400-km-Dreiecke geflogen werden.
 
Im Winter 1975/1976 gab es oft Frost und bis Ende März lag in Oppershausen noch Schnee. Trotz der Kälte gingen dort die Arbeiten weiter. Eine ausgediente Holzhütte wurde dem Club zur Verfügung gestellt und kam dann zu neuen Ehren. Sie wurde die „Flugleitung“.
 
1976
Auf der Jahreshauptversammlung wurde Hans Böttcher für die nächsten drei Jahre zum Präsidenten wiedergewählt, auch die übrigen Mitglieder des Vorstands blieben in ihren Ämtern.
 
Am Sonntag, dem 16. Mai 1976, war es dann soweit, dass die Segelflieger des HAeC von ihrem Segelflugplatz Vahrenwald-Nord Abschied nehmen mussten. Es war ein sonniger Frühlingstag, der allerdings die Betrübtheit der Segelflieger nicht vertreiben konnte. Von der Vahrenwalder Heide, wo Karl Jatho 1903 seine ersten Flugversuche unternahm und vom alten Verkehrsflughafen schon lange nichts mehr übrig geblieben. Das letzte Stückchen Erde, das die „Vahrenwalder“ Tradition fortsetzte, war nur noch Vahrenwald-Nord und musste nun teilweise neuen baulichen Maßnahmen weichen.
 
Die HAZ schrieb am 17. Mai 1976:

Die stillen weißen Vögel ziehen von Hannover weg

Die Segelflieger nahmen am Sonntag Abschied von der Vahrenwalder Heide. Zum letzten Mal kreisten lautlos die weißen Segelflugzeuge über Hannover. Vom kommenden Wochenende an werden die hannoverschen Flieger von ihrem neuen Flugplatz bei Oppershausen im Landkreis Celle starten. Zum Abschied waren Oberbürgermeister Herbert Schmalstieg, Polizeipräsident Dr. Boge und Vertreter von Flughafen, Sportamt und Bauverwaltung gekommen, die alle noch einmal die Gelegenheit ergriffen, im Segelflugzeug über Hannover zu kurven. Der Vorsitzende des Hannoverschen Aero-Clubs, Joachim Zühlke, bestätigte in der Abschiedsveranstaltung, dass die 80 aktiven Segelflieger ihren Horst in Hannover nur schweren Herzens verlassen. Städteplanerische Maßnahmen, die Verbreiterung der Autobahn und die nicht mehr gegebene Sicherheit des Flugbetriebes hätten aber den Umzug erzwungen. Der neue Platz in der Heide ist von den Segelfliegern mit einem Aufwand von 3.000 Arbeitsstunden so hergerichtet, dass er jetzt als ein wirklich ideales Fluggelände bezeichnet werden kann. Das Klubhaus der Segelflieger, die Flugzeughallen und Werkstätten werden aber weiterhin auf dem Gelände Vahrenwald-Nord in Hannover die Heimstatt des HAeC bleiben. Vorsitzender Zühlke bat die Vertreter der Stadt, sich dafür einzusetzen, dass wenigstens die Modellflieger weiter in Vahrenwald-Nord ihrem Sport nachgehen könnten. Viele Jungen und Mädchen, die am Luftsport interessiert sind, beginnen als Modellflieger, ehe sie später aktive Segelflieger werden....
 
Nun mussten die Mitglieder zwar 50 km zurücklegen, bis sie am Flugplatz waren, aber die lange Fahrt lohnte sich. Das gesamte Fluggelände, das gepachtet wurde, umfasste 55 Morgen und bot eine Schleppstrecke von über 1000 m. Dadurch konnten beim Windenstart gute Ausklinkhöhen erreicht und der Anschluss an die Thermik leicht gefunden werden. Es gab weniger Beschränkungen, auch die Heidelandschaft übte ihre besonderen Reize aus.
 
Die Bilanz des Jahre: 6.000 Überlandkilometer und 1.000 Flugstunden.
 
Am Ende des Jahres 1976 starb Leonhard Kamczyk, Mitbegründer des „Hannoverschen Vereins für Flugwesen“ von 1921 und späteres Vorstandsmitglied des „Hannoverschen Aero-Clubs“. Kamczyk hatte bei der Gründung des „Landesverbandes Niedersachsen“ des „Deutschen Aero-Clubs“ mitgewirkt und in den Nachkriegsjahren in langwierigen Verhandlungen der Militärregierung den alten Flugplatz in Vahrenwald für den Segelflug abgerungen. Auch die Übersiedlung nach Vahrenwald-Nord mit der Umsetzung der Flugzeughalle war Teil seiner Aktivitäten.
 
1977

Ende 1976 war der Bau einer neuen Flugzeughalle in Oppershausen beschlossen worden, da die alte Halle in Hannover einen weiteren Ab- und Neubau wohl nicht mehr überlebt hätte. So waren die ersten Monate 1977 damit Vorbereitungsarbeiten ausgefüllt. Es war vereinbart, dass alle Teile geliefert und das Gerüst vom Hersteller aufgestellt werden sollte. Alle anderen Arbeiten aber sollten und wollten die Mitglieder ausführen.

 
Noch im Mai verstarb ganz plötzlich und unerwartet der langjährige Präsident und Weltrekordflieger Hans Böttcher. Seiner Initiative verdankt der HAeC Vahrenwald-Nord und den Bau des Clubhauses.
 
Die HAZ berichtete am 29. Juni 1977:

Ein ganzes Fluggelände aus dem Boden gestampft

Segelflieger des Aero-Clubs griffen zu Hacke und Spaten
Der Hannoversche Aero-Club will am 6. August sein neues Fluggelände in Oppershausen im Landkreis Celle mit einem „Tag der Offenen Tür“ präsentieren. Der HAEC hat sich in über zweijähriger Bauzeit in Oppershausen eine neue Heimat geschaffen, nachdem er für Vahrenwald-Nord infolge der Verbreiterung der Autobahn keine Flugerlaubnis mehr erhalten hat. Der HAeC hat in Oppershausen im besten Sinne des Wortes ein Segelfluggelände aus dem Boden gestampft. Anstatt zu fliegen, griffen viele Segelflieger zu Hacke und Spaten und planierten das Gelände. Als man nach einem Jahr feststellte, dass die Maschinen durch den ständigen Transport von Hannover nach Oppershausen und zurück zu sehr in Mitleidenschaft gezogen wurden, stampften die Segelflieger in 59 Tagen eine neue Flugzeughalle aus dem Boden. Durch das erfreulich starke Engagement der Mitglieder konnte eine Halle, die ohne Eigenleistung mit 135.000 Mark veranschlagt war, für 75.000 Mark errichtet werden. Die Gesamtkosten für den Platz und die Halle belaufen sich auf rund 185.000 Mark. Ein Beweis dafür, dass Idealismus und Begeisterungsfähigkeit für eine Sache auch heute noch nicht ausgestorben sind. Die Stadt Hannover will das Unternehmen Oppershausen mit einem Zuschuss von 50.000 Mark fördern.
 

Aber trotz der vielen Arbeit wurde auch ans Fliegen gedacht. Einige Mitglieder diskutierten über die Anschaffung eines Motorseglers auf privater Basis. Die Idee fand aber großes Interesse bei anderen Mitglieder, einige beteiligten sich mit einem Darlehen oder einer Spende und am 20. Juli 1977 war mit einem gebrauchten Motorsegler „SB 25 C-Falke“ die „motorlose“ Zeit des HAeC erneut beendet.

 
Auszug aus der HAZ von Anfang August 1977:

Platz und Flugzeughalle werden offiziell eingeweiht

Der Ausbau des neuen Segelflugplatzes in Oppershausen/Celle geht seinem Ende zu. Nachdem alle Platzarbeiten abgeschlossen wurden und im Frühjahr eine Stahlflugzeughalle errichtet wurde, beginnt nun wieder schwerpunktmäßig der Flugbetrieb. Die Mitglieder des HAeC haben in 59 Tagen Außergewöhnliches geleistet. In über 3.000 freiwilligen Baustunden wurde die neue Flugzeughalle errichtet. Zehn Segelflugzeuge haben Platz gefunden. Möglich war die Leistung nur, weil Mitglieder durch Darlehen und Materialspenden einmal die Grundlage schafften und die anfallenden Arbeiten nach einem straffen Organisationsplan durchgeführt wurden. Nachdem das Stahlgerüst stand, lief der Arbeitseinsatz programmgemäß ab. Seitenwandverkleidung, Dacheindeckung, Streifenfundamente, Aushub des Hallenbodens und Füllen bis zur Verlegung des Verbundpflasters mit dem Toreinbau (17 m) wurde ausschließlich in Eigenleistung erstellt. Damit wurden die Gesamtkosten erheblich verringert. Nach der Fertigstellung der neuen Flugzeughalle wird nun noch eine Tankanlage gebaut, die nicht nur für Winden- und Seilwagen, sondern auch für die Betankung des aus Mitgliederdarlehen finanzierten Motorseglers SV 25 C dienen soll. Die hannoverschen Segelflieger, die der Stadtplanung seit Kriegsende zweimal weichen mussten, sind nun ganz zuversichtlich, auf lange Sicht eine optimale Bleibe gefunden zu haben. ...
Am Sonnabend, dem 6. August, wird der Hannoversche Aero-Club offiziell seinen Flugplatz und die neue Flugzeughalle einweihen. Viele Gäste und der Nds. Minister für Wirtschaft und Verkehr haben ihren Besuch angekündigt. Neben einem reichhaltigen Flugprogramm wird am Abend ein zünftiges Hallenfest stattfinden.

1977gaidispanne

Da das Jahr 1977 im Zeichen des Aufbaus des Flugplatzes und der neuen Halle stand, konnten keine großen fliegerischen Leistungen erbracht werden. Am zufriedensten waren jedoch Ernst-August Kessler, der mit einem 403-km-Dreieck Clubmeister wurde, und Rolf Skubich, der im dezentralen Wettbewerb die beste Leistung für den Verein flog.
 
Ende 1977 wurde beschlossen, wieder ein neues Kunststoff-Segelflugzeug zu kaufen. Bestellt wurde ein einsitziges Leistungsflugzeug des Typs „Astir-CS-Jeans“. Mit ihm sollte der Anteil der leistungsfähigeren und „pflegeleichten“ Segelflugzeuge im Flugzeugpark erhöht werden, gleichzeitig aber das „Kunststoff-Fliegen“ möglichst vielen Mitgliedern angeboten werden. Die Finanzierung der Maschine erfolgte wieder durch Darlehen und Spenden.
 
1978

Am 10. März 1978 traf dieses neue Flugzeug ein. Es war ein eleganter weißer Segler, dem besonders gutmütige Flugeigenschaften nachgesagt wurden. Somit besaß der Verein 2 doppelsitzige (KA 7 und ASK 13) und 5 einsitzige (2 KA 8, 1 KA 6 E, 1 Club-Libelle und 1 Astir-CS-Jeans) Segelflugzeuge sowie einen Motorsegler. Noch 6 im Privatbesitz befindliche Maschinen und die Maschinen der „Akaflieg“ rundeten die Flotte in Oppershausen auf 20 Flugzeuge ab.

 
Nach einer erfolgreichen fliegerischen Saison fand am 16. September 1978 erneut ein „Tag der Offenen Tür“ statt. Insgesamt trafen sich 17 Motorflugzeuge befreundeter Fliegerklubs auf dem Segelflugplatz zu einem Fly-in. Es gab wieder ein buntes Programm für die Gäste mit Rundflügen, Kunstflug und einem besonderen Festakt, bei dem die beiden Leistungssegelflugzeuge „Astir-CS-Jeans“ und „Club-Libelle“ auf die Namen der beiden benachbarten Samtgemeinden Flotwedel und Lachendorf getauft wurden. Den Tag beschloss dann ein Hallenfest, bei dem die örtliche Feuerwehrkapelle ihre Musik spielte.
 
Sowohl die beiden Feste auf dem Flugplatz als auch die Informationstage vor der Eröffnung des Flugplatzes hatten inzwischen dazu beigetragen, dass die „Hannoveraner“ nicht mehr als die Fremden unter der Bevölkerung der Umgebung galten. Viele der Anwohner kamen zum Flugplatz als Zuschauer und führten ihren Gästen die Attraktion des Ortes vor. Den besten Beweis für den Erfolg dieser Aktivitäten erbrachte jedoch der Mitgliederzuwachs aus Bewohnern der umliegenden Orte.
 

Im Sinne der Umstrukturierung des Segelflugzeugbestandes im Verein wurde im September 1978 eine der beiden „KA 8“ verkauft und dafür ein Hochleistungssegler aus Kunststoff vom Typ „ASW 19 B“ mit einziehbarem Fahrwerk und Tanks für Wasserballast bestellt. Da dieses Flaggschiff der Segelfliegerei ca. 36.000 DM kostete und seine Finanzierung vorerst gesichert werden musste, wurde als Liefertermin das Frühjahr 1980 mit dem Hersteller vereinbart.

 
Zum Ende des Jahres 1978 wurde schließlich auch der gebrauchte Motorsegler verkauft und stattdessen ein neuer „SF 25 C-Falke 79“ bestellt. Der Kauf dieses ca. 60.000 DM teuren Flugzeuges war nur durch die großzügige Spende des 81jährigen Ehrenmitgliedes Karl Schmidt möglich, der ca. die Hälfte der Kosten übernahm.
 
1979
Am 24. März 1979 landete der neue doppelsitzige Motorsegler in Oppershausen. Er war moderner und leistungsfähiger als der alte und gab drei Monate später wieder Anlass zum Feiern. Der neue Motorsegler wurde im Kreise vieler Gäste und Zuschauer in Oppershausen auf den Namen „Karl Schmidt“ getauft, anschließend fuhren alle Gäste und Mitglieder nach Hannover und setzten die zünftige Tauffeier bei Tanz und Giros mit einem Sonnenwend- und Johannisfeuer fort.
 
Trotz einer in fliegerischer Hinsicht wieder schlechten Saison wurde in der Mannschaftswertung der Junioren bei dem Deutschen Segelflugwettbewerb des Landesverbandes Niedersachsen der zweite Platz von den Nachwuchspiloten des Vereins belegt und in der Club-Klasse erreichte Olaf Gedrat einen beachtlichen 7. Platz.
 
1980
Anfang 1980 wurde die letzte „KA 8“ verkauft. Sie ging als Schulflugzeug in das neue Leistungszentrum Fuentemilanos in der Nähe von Madrid. Im März kam rechtzeitig zur neuen Flugsaison die 1978 bestellte „ASW 19 B“. Zum ersten Mal besaß der Club nun eine sogenannte „Superorchidee“.
 
Ein zwischenzeitlich in Angriff genommener Boxenanbau musste im Mai schließlich mit Pflichtbaustunden beendet werden.
 
Mit der Schlecht-Wetter-Erfahrung der letzten Sommer in Deutschland im Gedächtnis und in der Hoffnung, in Frankreich bessere Flugtage zu erleben, fuhr im Juli 1980 ein großer Teil der Mitglieder nach Challes les Eaux bei Grenoble. Da diese Gegend in der Nähe des Mont Blanc gleichermaßen interessant für Flieger und nicht fliegende Familienangehörige zu sein schien, versprach dieses Sommerlager ein voller Erfolg zu werden. Doch das Wetter spielte auch in Frankreich nicht mit. Zum Wandern und Faulenzen war es prima, für den Segelflug dagegen leider nur begrenzt geeignet. An den meisten Tagen konnte der Flugbetrieb wegen der Hitze oder des fehlenden Aufwinds erst am Nachmittag begonnen werden. Das dauerte dann natürlich nur ein paar Stunden.