Auszug aus der Festschrift

„75 Jahre Hannoverscher Aero-Club e.V. –

Luftsportgeschichte einer Stadt  –  1921 – 1996“

 
 
1981
 
Im Februar 1981 erfolgte die Lieferung des neuen Doppelsitzers „Grob G 103 T WIN 2 ACRO“. Es war ein rassiges Segelflugzeug von besonderer Eleganz. Verglichen mit der alten „KA 7“ war es so, als ob man eine „Orchidee“ neben ein „Gänseblümchen“ halten würde. Nun warten alle gespannt auf den Beginn der neuen Flugsaison, um den neuen Vogel fliegen zu dürfen.

Am 31. März 1981 fand die Jahreshauptversammlung statt, die den bisher bewährten Vorstand mit Joachim Zühlke (1.Vorsitzender), Hans Mundhenke (2. Vorsitzender), Franz-Joseph Hunke (Geschäftsführer) und Gaidis Neimanis (Flugbetriebs- und Ausbildungsleiter) an seiner Spitze erneut bestätigt. Neu hinzu kam Dagmar Grosser (Schatzmeister).

Zwei Themen beschäftigten an diesem Abend die Mitglieder besonders intensiv. Es waren die Gestaltung der Feierlichkeiten zum 60-jährigen Jubiläum und die ansteigenden Kosten des Flugbetriebes, die in den letzten Jahren spürbar zugenommen hatten.
Da zum zweiten Punkt keine Patentlösung gefunden werden konnte, wurde beschlossen, die Verteuerung durch eine entsprechende Anhebung der Gebühren auszugleichen.
Ein weiteres Thema war die Zulassung des Campinggeländes unmittelbar am Segelfluggelände Oppers­hausen. Die Kosten hierfür tragen die Nutzer des Geländes.
 

60 Jahre Hannoverscher Aero-Club

 
Das Jahr 1981 stand ganz im Zeichen der Feierlichkeiten „60 Jahre Hannoverscher Aero-Club“!

60Jahre 1981 Nie zuvor haben Hannovers Segelflieger ihre Flugsaison so erfolgreich begonnen wie in diesem Jahr.

Bei Überlandflügen legten sie insgesamt fast 4.000 km zurück, wobei Ernst Keßler in Rekordzeit ein 400 und 500 km Dreieck schaffte. Weitere fünf Flüge gingen über 300 km und vier über 200 km. Ein 500 km Flug endete kurz vor Erreichen des Platzes.


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Mit diesen sportlich beachtlichen Auftakt hat der Hannoversche Aero-Club nicht nur die Flugsaison 1981, sondern auch das 60-jährige Bestehen des Clubs begangen.

Am 16. Mai fand dann auf dem Clubgelände des ehemaligen Segelflugplatzes Vahrenwald – Nord die Fest­lichkeit statt. Bundesminister Egon Franke, Oberbürgermeister Herbert Schmalstieg, Kulturdezernent Prof. Bungenstab gehörten zu den prominenten Gästen der Landeshauptstadt, Vertreter der Flugsicherung Langenhagen, des Deutschen Aero-Clubs, Landesverband Niedersachsen, der Samtgemeide Flotwedel mit den Herren Gebhard und Himstedt sowie die Vertreter anderer Vereine und Institutionen erlebten ein buntes Programm.

 
Gleich zu Beginn der Feierlichkeiten landeten zwei aus Oppershausen kommende Segelflugzeuge direkt neben unseren Gästen. Nach den Ansprachen erfolgten aus 1200 m Höhe der Absprung von 5 Fallschirm­springern, die, bis auf einen, alle vor der Zuschauerkulisse landeten. Er wurde von einem PKW aus Vahren­heide abgeholt.
 

Mit großem Beifall wurde der Dank der Segelflieger an die Adresse des Sportamtes der Landeshauptstadt Hannover gerichtet, das uns schon seit der Verlegung des Flugbetriebes nach Oppershausen die Pacht­auslagen erstattet. Eine echte Hilfe, die alle Segelflieger zu schätzen wissen. Möge die öffentliche Unterstützung weiterhin dazu beitragen, den Segelflug allen Einkommensschichten möglich zu machen.

 

Da wir an das leibliche Wohl unserer Gäste gedacht hatten, gab es aus der Gulaschkanone etwas Derbes, Kaffee und Kuchen und am Abend ein liebevoll hergerichtetes kaltes Buffet, das alles allein unseren Flieger­frauen zu verdanken war. So war an alles gedacht und auch das Wetter richtig bestellt. Blauer Himmel und sommerliche Temperaturen lockten viele Hannoveraner zu unserem ehemaligen, nostalgie­beladenen Flugplatz. Nach allen Vorführungen setzte dann ein heftiges Gewitter ein, so dass unser Clubhaus bis in die späten Abendstunden Bleibe für viele war.

 
Als das Fest vorbei war, wussten wir, dass viele der Besucher uns wieder aufsuchen würden. Die Be­geisterung für unseren Sport war deutlich erkennbar. In der Tat konnten bis Ende des Jahres 1981 dreizehn neue Mitglieder in unserem Kreis aufgenommen werden.
Steigende Mitgliederzahlen deuteten zwar auf eine gut funktionierende Vorstandsarbeit und Organisation, aber andererseits erforderte dieser Zuwachs eine verstärkte Betreuung der Mitglieder.

Da viele von uns schon erfahrene Piloten waren, der Flugzeugpark in der oberen Klasse aber etwas mager ausgestattet war, beschloss der Vorstand, noch ein Leistungssegelflugzeug den Mitgliedern zur Verfügung zu stellen. Eine einsitzige Maschine vom Typ LS 3 wurde gechartert. Damit standen dem Verein Ende 1981 sieben Segelflugzeuge und ein Motorsegler zur Verfügung. Eine stolze Anzahl!

 

Trotz der vielen Arbeit beim „Bau“ und „Fest“ – dies wurde ja fast zur Gewohnheit – blieb 1981 immer noch genügend Zeit zum Fliegen. Schon zu Beginn der Saison erflog wiederum unser Kamerad Ernst-August Keßler in Rekordzeit ein 400 und ein 500 km Dreieck. Eine Spitzenleistung aus unserem Club, der in den letzten Jahren ansonsten keine großen Erfolge vorweisen konnte.
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Es blieb jedoch nicht allein bei diesem Erfolg. Weitere Dreiecksflüge der Mitglieder über 200 und 300 km gaben zusätzlichen Ansporn zum Leistungsflug, so daß wir 1981 im dezentralen Wettbewerb des Landes Niedersachsen den 10. Platz belegen konnten.

Betrachtet man die 60-jährige Geschichte des „Hannoverschen Aero-Clubs“ vom Standpunkt eines Außenstehenden, so kann der Eindruck entstehen, daß in einem Segelflugverein hauptsächlich gearbeitet wird. Es wurde von mancherlei Arbeit berichtet.

Von vielen, die am Schreibtisch erfolgten und solchen, die in den Werkstätten, auf dem Fluggelände, an den Hallen oder sonstigen Einrichtungen zu erledigen waren. Dieser Eindruck täuscht nicht! Bei den Segelfliegern gibt es, bedingt durch die Flug- und Bodengeräte, viel zu tun. Denn alles muß zuverlässig funktionieren.

 
Die meisten Segelflieger sind jedoch bereit, Arbeiten dieser Art in Kauf zu nehmen, denn sie werden durch das reine, stille und faszinierende Segelflugerlebnis tausendfach entschädigt. Wenn der Segelflieger dann im Segelflugzeug sitzt und die Welt, wie einst Dädalos, im Zusammenspiel der eigenen Kraft und den Kräften der Natur von oben erleben und entdecken kann – dann haben sich alle Anstrengungen und Mühen gelohnt.
 

Denn   S e g e l f l u g   ist ein Gemeinschaftssport und kann auch nur gemeinsam durchgeführt werden, aber oben in der Luft ist man allein.

 
1982
Das sonst so sonnige Jahr 1982 wurde leider überschattet von einer Störung mit dem „Jeans – Astir“ infolge eines Seilrisses. Zum Glück gab es keine Verletzungen, aber das Segelflugzeug musste in eine Werkstatt gebracht werden. Die Reparatur nahm auch ihre Zeit in Anspruch. So waren wir froh, dass im letzten Jahr ein Beschluss zustande gekommen war, ein weiteres gebrauchtes Übungs- und Leistungsegelflugzeug vom Typ „KA 6 E“ zu kaufen und zum Einsatz zu bringen.
Wieder tummelte sich eine große Anzahl von Segelfliegern im Sommerlager (3 Wochen) und erlebte bei herrlichem Wetter so manchen schönen Erfolg.
Bemerkungswert war aber auch, dass die „Gastflüge“ immer beliebter wurden, und Jugendliche sowie Erwachsende aus der Umgebung den Weg auf unser Segelfluggelände fanden.

Unsere Leistungsflieger, 16 Piloten, flogen mit 38 gewerteten Überlandflügen fast 11.000 km und waren sicherlich am Ende des Jahres auch damit zufrieden. Die Leistungen im Einzelnen:            .

1 x 500 km, 4 x 400 km, 12 x 300 km, 11 x 200 km, 9 x 100 km wurden als Dreiecksflüge gewertet.

Die größten Flüge wurden von Helmut Buchholz, Ernst Keßler und Rolf Skubich geflogen.
 
Seit 15 Jahren versieht nun unsere Doppeltrommelwinde zuverlässig ihren Dienst. Wenn auch nicht mehr das Neuste, so ist die Wartung in all’ den Jahren durch Hans Ahlswede vorbildlich durchgeführt worden. Auch das ist ein Erfolg, denn ohne Startwinde kommen wir nicht in die Luft. Unser bestes Fluggerät wäre einfach nutzlos.

In einer außerordentlichen Hauptversammlung im Dezember 1982 wurde der Beschluss gefasst, an der Südseite der Flugzeughalle einen Boxenanbau zu erstellen, damit weitere Segelflugzeuganhänger und Startgeräte untergebracht werden können. Damit soll mehr Platz in der Flugzeughalle geschaffen werden.

 
Unser langjähriger Freund der Fliegerärztlichen Untersuchungsstelle Dr. Adolf Herbst verstarb plötzlich.
 
1983

Inder Flugsaison 1983 war ein Sommerlager für die zweite Junihälfte in Oppershausen geplant. Als es soweit war, hatte man den Eindruck, dass mitten im Sommer der Winter eingebrochen war. Am schlimmsten waren diejenigen von der Kälte betroffen, die während des Flugbetriebes am Start standen und auf das nächste landende Flugzeug warteten. Sie traten von einem Bein auf’s andere, konnten nicht so schnell zittern, wie sie froren und tranken pausenlos warme Getränke. Doch genau so schnell wie er kam, verschwand der Kälteeinbruch wieder. Nun trat das andere Extrem ein; man konnte es am Start vor Hitze kaum noch aushalten!

Dem Wetter entsprechend waren auch die Flugergebnisse. Als es kalt war, blieb kaum ein Flugzeug länger als 10 Minuten in der Luft. Dagegen wollte keiner mehr landen, als die Wärme und damit Thermik einsetzte. Abgesehen von den Wetterkapriolen im Juni war die Flugsaison 1983 sonnen- und thermikreich. Dem­ent­sprechend fielen die Ergebnisse im Leistungsflug aus: Unsere Piloten Helmut Buchholz, Ernst Keßler und Rolf Skubich erflogen Dreiecksflüge von über 400 km. Außerdem gab es Dreiecksflüge über: 7 x 300 km, 20 x 200 km und 4 x 100 km.

Insgesamt wurden – ohne Wettbewerbsflüge auf zwei fremden Flugplätzen – bei 37 Überlandflügen 9.754 km von Oppershausen aus erflogen, pro Flug also über 260 km. Schöne Erinnerungen für die Piloten und eine tolle Leistung für den Club.

 

Unser Segelflugzeug „Jeans – Astir“ kam bei einer Außenlandung zu Schaden, so dass es zur Reparatur in eine Fachwerkstatt musste. Bei der Abholung wurde der Transport in einem Unfall verwickelt, der zur Folge hatte, mit dem frisch reparierten Segler wieder zur Fachwerkstatt zurückzukehren. Eine Pechsträhne ohne­gleichen für diesen Segler, der sich in dieser Flugsaison mehr zur Reparatur befand als im fliegerischen Ein­satz.

 

In der Werkstatt des Clubhauses in Vahrenwald – Nord arbeitete inzwischen unser Kamerad Rudi Holz an einer Rarität. Es handelte sich um eine „Lo 100“, ein voll kunstflugfähiges Flugzeug der alten Generation. Die Reste, d.h. große Teile der Tragfläche hatte Rudi Holz als Bruch dem Aero-Club in Lübeck abgekauft, dem sie zur Dekoration der Hallenwand diente, und wo diese Maschine vor Jahren abgestürzt war. Von den „übrigen“ Teilen der Maschine war nichts mehr erhalten. Die Tragfläche, die aus einem Stück bestand, war in einem relativ guten Zustand erhalten geblieben. Sie konnte wieder verwendet werden. Deshalb beschlossen wir, das Flugzeug fachmännisch und originalgetreu rekonstruiert wieder ins Leben zu rufen. Als Fertig­stellungs­termin dieser Präzisionsarbeit wurde die Flugsaison 1986 angepeilt.

An den Tagen, an denen nicht geflogen werden konnte, begannen unsere Mitglieder mit den Arbeiten für den neuen  Südboxenanbau.

 
1984

War schon das Jahr 1983 hinsichtlich unserer segelfliegerischen Erfolge gut, so wurde das Jahr 1984 noch besser! Obwohl die Wetterlagen in dieser Saison nicht zu den besten gehörten, erreichte der Club die höchsten Leistungen in seiner bisherigen Geschichte. Allein im April erflogen die Kameraden Helmut Buchholz, Harald Dahms, Olaf Gedrat und Gaidis Neimanis je ein 500 km Dreieck. Weitere Flüge über 400 km, 300 km, 200 km und 100 km folgten „scharenweise“. Ein Ergebnis, das uns mit Stolz erfüllte.

 

Die „Heimarbeit“ kam auch in diesem Jahr nicht zu kurz. In Hannover bauten unsere „Metaller“ an einer neuen Startwinde; denn unsere alte Winde, die bereits 17 Jahre auf den Buckel hatte, konnte jederzeit ihren „Geist“ aufgeben. Für diesen denkbaren Fall mussten wir also vorbereitet sein.

 
Auf dem Segelfluggelände in Oppershausen, auf dem in letzter Zeit „baumäßig“ etwas Ruhe eingekehrt war, tat sich schon wieder etwas. Ein erweiterter Südboxenanbau, Ende 1983 beschlossen, machte bereits Fort­schritte. Es war abzusehen, dass er bis Ende des Jahres 1984 fertig sein würde.

Dem Motto nach Modernisierung unseres Flugzeugpark folgend, beschloss man außerdem, den „Jeans – Astir“ zu verkaufen und als Ersatz eine neue „ASK 23“ anzuschaffen. Es handelt sich dabei um ein robustes Flugzeug, das sowohl in der Schulung als auch im Leistungsflug eingesetzt werden konnte. Die Finanzierung, die nicht allein durch den Erlös des zum Verkauf stehenden „Jeans – Astir“ abgedeckt werden konnte, musste durch eine Umlage abgesichert werden. Die Auslieferung dieser Maschine war für Ende 1985 vorgesehen.

 
Im November 1984 waren die Arbeiten für den Boxenanbau südlich der Flugzeughalle soweit gediehen, dass er seiner Bestimmung übergeben wurde. Wieder stand für die Segelflieger außer dem fliegerischen Erfolg die weitere Aufbauarbeit im Vordergrund. 1300 Baustunden wurden geleistet.
 
1985

Das Jahr 1985 wurde gleich zu Beginn durch einen Brandschaden auf dem Segelfluggelände überschattet. Am 5. Februar brannte die benachbarte Halle der Akademischen Fliegergruppe, eine Holzkonstruktion, bis auf die Grundmauern nieder. Segelflugzeuge, Flugzeuganhänger und Fahrzeuge, die dort untergebracht waren, wurden völlig zerstört. Auch unsere sanitären Anlagen, die sich im Südteil dieser Halle befanden, wurden vom Feuer nicht verschont. Die Mauern blieben zwar stehen, das Holzdach brannte jedoch restlos ab. Noch Monate nach diesem Ereignis konnten wir aus den ungedeckten Räumen auf das fallende Seil eines gerade gestarteten Segelflugzeuges blicken. Dieser Schlag, der auch für uns schwer war und nicht aufgeklärt wurde, konnte uns an der Ausübung unseres Sports aber nicht hindern.

Sobald im Herbst das Wetter keine langen Flüge mehr zuließ, gingen wir erneut an die Rekonstruktion. Am Ende des Jahres waren unsere sanitären Räume wieder fachmännisch gedeckt. Die dafür nötige Erfahrung hatten wir schon ein paar Monate vorher gesammelt. Damals teilte uns nämlich der Vorstand mit: „Entweder deckt ihr an unserem Clubhaus in Hannover das Flachdach der Metall- und Holzwerkstatt neu ein, oder ihr geht in diesen Räumen im Herbst baden“. Um nicht erst bei einigen Clubmitgliedern die Idee aufkommen zu lassen, man könnte an Stelle der Arbeit in Hannover in Oppershausen fliegen, wurde der Flugbetrieb an diesem Wochenende gleich abgesagt. Wir mussten uns also der „Überzeugungskraft“ dieser Argumentation fügen und erschienen erfreulicherweise zahlreich in Vahrenwald – Nord. Viele Hände packten kräftig zu und ein Bad im herbstlichen Regenwasser blieb uns erspart.

 

Fliegerisch wurden 1985 erneut Spitzenleistungen vollbracht und die bereits sehr guten Ergebnisse des Vor­jahres sogar überboten. Bei den Deutschen Meisterschaften im Streckenflug konnten wir uns nach langer Zeit erstmals wieder auf den vorderen Plätzen in Niedersachsen platzieren. Von 57 teilnehmenden Vereinen belegte der Hannoversche Aero-Club auf der Siegerliste mit 25.062 Überlandstreckenkilometern den 4. Platz. Die 17 Teilnehmer unseres Clubs hatten 77 Flüge angemeldet. Im Vergleich hierzu betrug der Durch­schnitt der gesamten 522 Teilnehmer in Niedersachsen am Wettbewerb 242 km pro Flug. In der Mann­schafts­wertung mit Fritz Windels, Rolf Skubich und Helmut Buchholz wurde der 1. Platz belegt. Den 2. Platz sicherten sich Gaidis Neimanis, Ernst Keßler und Harald Dahms. Im Deutschen Segelflugwettbewerb 1985 belegten Piloten unseres Clubs in der Mannschaftswertung den 1. Platz in der Clubklasse und den 2. Platz in der 15 m – Rennklasse. In der Einzelwertung der 15m – Klasse – Junioren erreichte unser Nachwuchs den 3. Platz.

 

Viele Erfolge und einprägsame Erlebnisse waren die brillante Bilanz der Flugsaison 1985, obgleich das Wetter sich nicht von seiner besten Seite gezeigt hatte. Zum schönsten Abschluss dieser Saison trug schließlich die Lieferung der lang erwarteten „ASK 23“ bei. Elegant und vielseitig verwendbar erfreute sie sich gleich allgemeiner Beliebtheit und bestand ihre Einführung mit Bravour.

 
1986

Nach dem Brandschaden im Vorjahr konnten die restlichen Aufbauarbeiten am Sanitärbereich fertiggestellt werden. Besonders gefragt waren dafür Spezialisten, denn Maurer-, Elektriker- und Klempnerarbeiten sind nicht jedermann`s Sache. Hinzu kam die Tatsache, das in diesem Jahr außerdem ein „Tag der offenen Tür“, verbunden mit „10 Jahre Segelfluggelände Oppershausen“, organisiert und dementsprechend gefeiert werden sollte.

Zuvor hatten wir uns gegenüber der Landeshauptstadt Hannover verpflichtet, uns anlässlich des „50jährigen Jubiläums des Maschsees“ an den vielfältigen kulturellen, sportlichen und sonstigen Veranstaltungen zu beteiligen. Es war ein herrlicher Anblick, als gegen 18 Uhr ein Motorschleppflugzeug mit zwei Segelflug­zeugen im Schlepp, gefolgt von unserem Motorsegler, in geringer Höhe – angestrahlt vom hellen Sonnen­licht – den Maschsee mehrmals umflog und über Funk dem Veranstalter unsere Grüße darbrachte, um dann wieder nach Oppershausen zurückzufliegen. Die Begeisterung bei manchem der Zuschauer gab es auch für das am Nordufer ausgestellte Leistungssegelflugzeug „ASW 19 B“. Es war den ganzen Tag dicht umlagert. Auch hier hatten unsere Mitglieder die Genugtuung, dabei gewesen zu sein.

 
Schon eine Woche später, am 6. September folgte dann eine größere Veranstaltung in Oppershausen:
 
„10 Jahre Oppershausen“
 
wieder mit einem „Tag der offenen Tür“ war für uns ein Jubiläum. Zahlreiche Gäste der Samtgemeinde, des Landkreises Celle und auch aus Hannover weilten der Eröffnung um 11 Uhr bei.
Der 1. Vorsitzende begrüßte alle Anwesenden und brachte zum Ausdruck, dass in diesen 10 Jahren rund 31.332 Starts mit 10.917 Flugstunden von den 16 stationierten Segelflugzeugen in Oppershausen, unter anderem auch 123.321 Streckenkilometer geflogen wurden. Aber auch die Aufbauarbeit wurde nicht ver­gessen. Insgesamt ca. 15.000 Arbeitsstunden waren erforderlich, um dieses Gelände so zu gestalten, wie es sich den vielen Gästen bot. Im Anschluss erfolgte dann die Taufe des Kunstflugsegelflugzeuges „Lo 100“ auf den Namen „Trudelfix“. Dieses Segelflugzeug wurde in fast dreijähriger Arbeit unter der Leitung von Rudi Holz und Helmut Buchholz sowie seinen Helfern fertiggestellt.

Die vielen Gäste, die sich um einen Gastflug bemühten, mussten bald feststellen, dass für diesen Tag alles ausgebucht war. Sie wurden auf die folgenden Wochenenden vertröstet.

 
Die Flugvorführungen der Modellflugzeuge und Modellhubschrauber und Segelflugzeuge, sowie die Kunst­flugvorführungen mit der „Lo 100“ und dem „Salto“ gaben ein Überblick über das Geschehen im HAeC.
 

Ein reichhaltiges Kuchenbuffet, im Sinne des Wortes „in aller Munde“, war lobenswert. Auch die Zahl derer, die sich am Grill, beim Würstchenstand sowie an der Theke einfanden, war recht groß.

Es mag wohl am schönen Tag gelegen haben, dass die Organisation dieses Jubiläums so gut klappte. Unseren Fliegerfrauen, die sich besonders um das leibliche Wohl gekümmert haben, sei vielmals gedankt. Aber sie gehören sowieso zu uns. Nicht nur das Feiern, vielmehr auch die Arbeit gehört zum Segelfliegen.
 
Unsere neue Startwinde, die schon Gestalt angenommen hat, steht vor dem ersten Probelauf. Stück für Stück wurde zusammengetragen. Der mühevollen Arbeit, die schon 2 Jahre dauert, ist ein Ende abzusehen.
 

Für die Deutsche Streckenflugmeisterschaft meldete unser Verein insgesamt 90 Flüge an. Mehr als 25.100 Streckenflugkilometer wurden erflogen, alle mit entsprechender Beurkundung durch Wendepunktfotos. Der letztjährigen Hoffnungen folgend war 1986 ein überdurchschnittliches Streckenflugjahr im Segelflug mit vielen guten Tagen. Die Erfolgsbilanz auf Landesebene verzeichnete einen 1., 2., und 5. Platz in der Wertung. Im „Hilton Cup“ erreichte Helmut Buchholz den 1. Platz. In der Mannschaftswertung belegten Ernst Keßler, Harald Dahms und Gaidis Neimanis den 2.Platz. In der offenen Klasse belegte Helmut Buchholz Platz 4.

 
1987 

Zu Beginn des Jahres 1987 bemühten wir uns erneut um die Erweiterung der Zulassung des Flugzeug-Schlepps für Oppershausen. Man war auch bereit, gewisse Einschränkungen hinzunehmen. Jedoch allein der Gedanke in der Öffentlichkeit, zusätzlicher Lärm sei untragbar und nicht zumutbar, führte dazu, dass sich eine Interessengemeinschaft gegen Flugzeugschlepp mit allen verfügbaren Mitteln zur Wehr setzte. So wurden Unterschriften gesammelt, sogar Parteien dafür gewonnen, um gegen diese Maßnahme ihren Ein­spruch deutlich zu machen. Vorweg gesagt, sollte dieser Kampf noch über viele Jahre gehen und dabei Formen annehmen, die sich gegen ein Miteinander aussprachen. Schon jetzt waren wir uns darüber im Klaren, dass letztendlich die Bezirksregierung in Oldenburg dafür zuständig ist, und wir uns selbst eine äußerste Zurückhaltung auferlegten.

 

Nach dem sehr guten Streckenflugsommer des Vorjahres waren die Erwartungen für 1987 sehr hoch gesetzt. Sehr verwöhnt, war die Enttäuschung über das Ergebnis 1987 entsprechend groß. Nur ein einziges Wochenende erlaubte Flüge in die 500 km-Region. Die Meldeergebnisse Niedersachsens zeichneten nur 962 Flüge mit zusammen 206.000 km Überlandflug. Das ist mehr als die Hälfte des Vorjahres weniger. Trotz  des ungünstigen Flugwetters verstanden unsere Piloten eine optimale Ausnutzung der vorhandenen Möglichkeiten. Jens Teichmann und Gaidis Neimanis flogen die größte Strecke mit einer Dreifachumrundung von 637 km mit Start in Oppershausen. So wurden 41 Flüge mit insgesamt 10.728 km als Dreieckskurse ausgeführt. Auf Bundesebene in der Mannschaftswertung wurde der 4. Platz erreicht, bei den Deutschen Meisterschaften im Streckenflug in der Mannschaftswertung der 1. Platz mit Gaidis Neimanis, Ernst Keßler und Harald Dahms, in der Rennklasse ein 2. Platz mit Gaidis Neimanis und ein 3. Platz mit Jens Teichmann.

Die Segelflugsaison 1987 hatte nur 11 Tage, an denen größere Überlandflüge möglich waren. Entsprechend fällt auch das Gesamtergebnis aus.
 

Auch unser Sommerlager litt an einigen Tagen unter den vorhandenen Wetterbedingungen. Die wenigen Tage, an denen die Sonne schien, wurden jedoch voll genutzt. Die Ferienpassaktion der Samtgemeinde Flotwedel dagegen war wieder ein voller Erfolg. Kam es doch hier nicht auf große Strecken an, sondern auf das Erlebnis für die Schüler, die Heimat mal aus der Luft zu betrachten.

 
Ein positives Ergebnis dagegen brachte die Prüfung und Zulassung unserer neuen Startwinde, die von Dietmar Nowatschin konstruiert und auch in einem Zeitraum von rund drei Jahren gebaut wurde.
Die Niedersächsischen Meisterschaften in Braunschweig konnten nur mit Mühe vier Wertungstage zustande bringen, so dass keine Sieger gekrönt werden konnten, denn das Reglement schrieb mindestens 6 Wer­tungs­tage vor.
Leider mussten wir in diesem Jahr zur Kenntnis nehmen, dass ehemals führende und aktive Mitglieder des Clubs aus dem Leben geschieden sind. So verstarb unser Mitglied Dr. Max Müller, der von 1955 bis 1962 Präsident des Clubs war. Ebenso mussten wir uns von Dr. Gotthard Ludewig verabschieden, der über viele Jahre als Jurist unserem Club mit Rat und Recht zur Seite stand.
 
Zum Jahreswechsel wurde unsere „Club-Libelle“, das erste Kunststoffsegelflugzeug 1975 von uns erworben, nach München wieder gut verkauft. Sie war für viele Mitglieder unseres Vereines mit ihren Endleisten­brems­klappen recht schwierig zu fliegen, und so trennten wir uns von ihr.

1988

Mitte des Jahres standen interne Angelegenheiten im Vordergrund. Der Landesverband Niedersachsen im Deutschen Aero-Club, Teilmieter in unserem Clubhaus, brauchte mehr Raum. Kurz und gut, wie sich später herausstellte, begann eine große Umzugsaktion, die mit den Mitgliedern abgesprochen wurde. Es folgten Umbauten, nicht nur für den LVN, auch unsere Modellflieger mussten ihre Werkstatt aufgeben und in der alten Flugzeughalle in ein neu entstandenes Domizil einziehen: ein vorhandener großer Raum wurde die neue Werkstatt. Schon ein Jahr später wurde festgestellt, dass das Verbleiben des LVN im Hause und die damit zusammenhängenden Umbauten und Umzüge viel Arbeit machten, aber manche Sorge in den Verhandlungen beigelegt werden konnte. Im Großen und Ganzen sei man aber nicht unzufrieden. Verhandelt wurde außerdem über eine Gegenleistung des LVN, dafür dass die 140 m langen Zufahrt zum Clubhaus durch den Landesverband eine Pflasterung bekam.

 
Weitere Aktivitäten waren der Neubau eines Segelflugzeug-Transportanhängers, der Verkauf der „LS 3“ nach Italien, Verhandlungen für eine Flugzeugschleppgenehmigung, die durch die Gründung einer Interessen­gemeinschaft der Umgebung viel Ärger mit sich brachte.
 

Wenn wir nun vom Fliegen sprechen, so war das Jahr 1988 ein „gutes Streckenflugjahr“: Mit fast 2.000 Flügen im Landesverband Niedersachsen (nur 1986 gab es mehr) konnten 538.816 Überlandkilometer geflogen werden. Davon entfielen auf unseren Verein 68 Flüge mit 22.482 km. Durchschnittlich flog jedes gemeldete Segelflugzeug 330 km. Wir meinen, es ist eine ganz beachtliche Leistung. Vorteil dafür ist nicht zuletzt, der Einsatz von modernen Segelflugzeugen und der Erfolg des intensiveren Streckenflugtrainings unserer Mitglieder bei Lehrgängen und im Verein selbst. Dreimal wurde die Distanz der Dreiecksflüge von 693 km und einmal 627 km bewältigt. Der beste Monat für große Strecken war 1988 der April, und wer diesen Monat verschlafen hatte, für den war das Jahr zu Spitzenleistungen in der DMSt gelaufen. Nicht geschlafen hatte Jens Teichmann, denn er erreichte über 2.594 Punkte und wurde mit Platz 1 in der FAI-15m – der Klasse der Junioren – „Deutscher Jugend­meister“ 1988. Ebenfalls erfolgreich waren Harald Dahms mit einem 2. Platz in der Einzelwertung und in der Mannschaftswertung Helmut Buchholz, Harald Dahms und Olaf Gedrat mit einem 1. Platz bei der Deutschen Streckenflugmeisterschaft (DMSt). Eine große Anzahl von weiteren Dreiecksflügen wurden durch unsere Leistungsflieger geflogen. Hervorzuheben wäre hierfür stellvertretend ein Dreiecksflug über die Distanz von 627 km durch Rolf Skubich. Erstmalig seit langer Zeit nahm unser Mitglied Ernst Keßler an den Deutschen Segelflugmeisterschaften in Aalen teil und konnte dort einen guten Mittelplatz erreichen. Für den Club war dies ein sehr positives Ergebnis, denn allein die Teilnahme an einer Deutschen Meisterschaft (DM) ist sehr kostenintensiv, und es starten dort die Spitzenflieger der Bundes­republik im Wettbewerb.

Unsere Fluglehrermannschaft wurde durch junges Blut verjüngt: Jens Teichmann stand fortan mit seinem Engagement zur Verfügung.

 
Aufgrund des Einsatzes unseres damaligen Geschäftsführer Franz-Josef Hunke bekam unser Verein eine ganz erfreuliche Spende der Firma Rhode & Schwarz aus München. Die Freude über eine neue Bodenfunkstation vom Typ XU-452 (Preis 27.000 DM) war sehr groß.
 
In unseren sozialen Anlagen des Campingplatzes wurde Jahr für Jahr der Nitratgehalt des Wassers immer größer, und damit verschlechterte sich unsere Wasserqualität. Deshalb musste ein Trinkwasseranschluss vom Ortsende Oppershausen auf unser Segelfluggelände beantragt und verlegt werden. Wir können heute sagen, auch dabei half uns die Samtsgemeinde Flotwedel vorbildlich und somit konnte dieses Problem recht bald als „erledigt“ betrachtet werden.
 

Auch in diesem Jahr mussten wir schmerzlich Kenntnis vom Ableben zweier aktiver und langjähriger Mitglieder des Clubs nehmen. So mussten wir uns von Gerd Heyne und von Karl Schmidt verabschieden.

1989
Das Streckenflugwetter 1989 kann ohne Übertreibung mit dem Prädikat „außergewöhnlich“ bezeichnet werden. Das bezieht sich sowohl auf die Qualität als auch auf die Quantität der guten Wetterlagen. Ende April schon baute sich eine lang anhaltende Hochdrucklage auf, die für das lange Wochenende 29.04. bis 01.05 sehr gute Überlandflugmöglichkeiten brachte. Pünktlich zu Pfingsten und in der Woche danach war die Superwetterlage des Jahres da, und es gab Tage, an denen in Niedersachsen 250 (!) Segelflugzeuge unterwegs waren. Dementsprechend fielen dann auch die Leistungen aus. Von unseren Mitgliedern wurde 8 x die Strecke von über 600 km, 7 x 500 km, 10 x 400 km und 17 x 300 km im Dreieckskurs geflogen. In der Rennklasse der Senioren belegte Ernst Keßler den 1. Platz. In der Mannschaftswertung wurde von unserem Verein der 1. Platz belegt. Die Mannschaft bestand aus Helmut Buchholz, Ernst Keßler und Gaidis Neimanis. Auf Bundesebene kam der Hannoversche Aero-Club in der 15m/Rennklasse/­Mann­schafts­wertung auf einen beachtlichen 4.Rang. Damit hatten wir eine Segelflugsaison hinter uns, die so gut war, dass Wünsche auf ein besseres 1990 unrealistisch und sogar anmaßend wären. Das Wetter wie in den Jahren 1988 / 1989 würde uns ausreichen, aber die freie ADIZ (Flugerkennungszone zur DDR) bleibt für alle Segelflieger noch ein Traum.
 

Erstmalig fand in Oppershausen auch ein Juniorenleistungslehrgang mit Teilnehmern aus ganz Nieder­sachsen parallel zu unserem Sommerfluglager statt. Bis zu insgesamt 48 Segelflugzeuge bevölkerten thermik­suchend den Himmel über der Samtgemeinde Flotwedel, um dann ihre Streckenflüge anzutreten. Auch der Ferienpass wurde wieder rege von den Kindern der Samtgemeinde genutzt. Sie wollten das Gefühl des Segelfliegens bei dem schönen Wetter erleben. Es war ein buntes Treiben auf unserem Segelflug­gelände und verlangte von den Verantwortlichen und den Beteiligten äußerste Disziplin.

 
Der September war erstmals an zwei Wochenenden zum Arbeiten da. Die Flugzeughalle – Nord musste ein neues Dach erhalten. Da hierfür der Flugbetrieb abgesagt wurde, konnten die Arbeiten programmgemäß durchgeführt werden. Wie bei allen Arbeiten für den Verein waren auch fast alle mit dabei. Einige mussten allerdings ihr Fehlen bar bezahlen, was wiederum dem Verein zugute kam.
 

Abschied nahmen wir von Dagmar Grosser, sie war mehrere Jahre im Vorstand als Schatzmeister tätig. Auf­grund ihrer schweren Krankheit verstarb Dagmar für alle viel zu früh.
 

1990

Wer hätte das gedacht:

Die Novembertage des Jahres 1989, ausgehend von Leipzig, zählen wohl zu den ereignisstärksten Begebenheiten dieses Jahrhunderts! Die DDR verschwand sang- und klanglos und der Jahreswechsel 1989/90 wurde nach 40 Jahren endlich mit den neuen Bundesländern zusammen in einem Deutschland gefeiert. Eine total neue Situation. Und sollte der Traum, auch gen Osten fliegen zu dürfen, Wirklichkeit werden? Sollte man nun unbeschwert als Segelflieger seine Kurse nach Magdeburg, Leipzig, Schwerin und Wittenberg legen und dort die Wendepunkte anfliegen? Im Nachhinein wissen wir, dass der „Amtsschimmel“ nicht so sehr an uns dachte. Es sollte noch eine ganze Weile vergehen, bis endlich die genannten Wendepunkte überflogen werden konnten.

 

Schon am 9. Januar 1990 beschloss auch der Vorstand im Rahmen der „Städtepartnerschaft Leipzig – Hannover“, ebenso wie andere Institutionen und Vereine, eine Partnerschaft mit Leipziger Segelflieger zu suchen und aufzubauen. Der Zufall wollte es und auch Leipziger Segelflieger eines bis zur Wende intakten Segelflugplatzes hatten einen solchen Plan vor. Bereits Anfang März waren die Verbindungen soweit hergestellt, dass unser Vorstand und einige Mitglieder die Reise nach Leipzig antraten und den dortigen, neu gegründeten Fliegerclub Leipzig – Taucha e.V. besuchten. Er bestand aus Mitglieder, die bereits zu Zeiten der DDR in der Gesellschaft für Sport und Technik (GST) Segelflug betrieben und aus Mitgliedern, die seinerzeit aus der GST aufgrund diffuser Gründe ausgeschlossen wurden. Der dortige Vorstand und die Mitglieder versuchten einen Neuanfang und suchten Hilfe bzw. einen Partnerverein, der sie berät und sie unterstützt bei einem doch recht schweren Anfang bis zum funktionierenden Segelflugvereines. Es fehlten Statuten, Gebührenordnungen, der Umgang mit den Finanzen und und ….

Das Treffen auf dem „alten“ Segelfluggelände mit der Besichtigung der vorhandenen Hallen, Werkstätten und Fluggeräten am Schwarzen Berg in Taucha sollte nun für 2 Tage, die mit etlichen intensiven Besprechungen ausgefüllt waren, mit dem Vorstand und den Mitgliedern zum Neubeginn beitragen.

Der Empfang war sehr herzlich und für das leibliche Wohl sowie für die Unterbringung bei den Leipzigern Mitgliedern war bestens gesorgt. Aber die vielen Probleme, die anstanden, füllten beide Tage voll aus. Wir versuchten den Leipzigern unsere Vereinsstruktur immer wieder zu erläutern. Denn sie waren es gewohnt, alles durch die hauptamtlichen und ehrenamtlichen Funktionäre der Gesellschaft für Sport und Technik ablaufen zu lassen. Unvorstellbar für diese Funktionäre nun in Zukunft die Existenz und Wirtschaftlichkeit eines Vereines sowie die Initiative selbst in die Hand zu nehmen. Sehr hervorzuheben war die Bitte des Wiederkommens mit weiteren guten Ratschlägen. Man erkannte den eisernen Willen dieser Menschen. Wir unsererseits sprachen eine Einladung zum Hannoverschen Aero-Club und nach Oppershausen aus, die auch gern angenommen wurde. Abschließend wurde eine gemeinsame Vereinbarung auf die „Städtepartnerschaft“ für den Sportaustausch und einen Partnerschaftsvertrag unterzeichnet, die damit sofort gültig wurde.

 
Im Mai 1990 kam eine zehnköpfige Gruppe aus Leipzig, im Wesentlichen alles Funktionsträger und Fluglehrer (sie waren auch die Leipziger Initiatoren) zum Hannoverschen Aero-Club, um in den 2 ½ Tagen nicht nur unsere Gastfreundschaft, sondern auch in Oppershausen unseren Flugbetrieb mitzuerleben. Während der Flugbetrieb früher in der DDR sehr militärisch durchorganisiert ablief, fanden sie bei uns einen vergleichsweise lockeren und erholsamen, aber regen (!) Ablauf des Flugbetriebes vor. So sahen sie, dass man so bei den Mitgliedern die Bereitschaft und die Eigeninitiative zur Segelfliegerei fast von selbst gewinnt. Es wurde hier eben als Freizeitbeschäftigung gemacht.
Bei herrlichen Thermikwetter konnten mit 2 Doppelsitzern sowie unserem Motorsegler erste Einweisungsflüge durchgeführt werden. Alle mitgekommenen Fluglehrer, noch mit DDR-Lizenz, flogen im Laufe des Tages ihre 50 km Streckenflugeinweisung und machten so erste Erfahrungen mit unserer Luftraumstruktur. Nach einem gemeinsamen Essen, hierfür hatte die Landeshauptstadt Hannover und der Landessportbund finanzielle Hilfe gewährt, erfolgte die Rückfahrt zur Übernachtung nach Hannover. Trotz der guten Thermik wurde der Sonntag für unsere Gäste freigehalten und gemeinsam die Sehenswürdigkeiten Hannovers besichtigt. Mit vielen guten Eindrücken, persönlichen Gesprächen und Anregungen erfolgte dann nach einem gemeinsamen Essen die Rückfahrt nach Leipzig.
Zwei Monate später traf unser neues Hochleistungssegelflugzeug „Discus B“ ein, um anschließend an den Deutschen Meisterschaften in Bückeburg teilzunehmen. Olaf Gedrat auf „LS 4“ belegte dort den 27. Platz und Gaidis Neimanis auf „Discus B“ errang Platz 28 in der Standardklasse.
 
Zum gleichen Zeitpunkt fand unser Sommerlager in Oppershausen statt. Unsere Freunde vom „Fliegerclub Leipzig – Taucha e.V.“ kamen mit 12Teilnehmern sowie mit einem Einsitzer „Pirat“ und einem Doppelsitzer vom Typ „PUCHACZ“, um eifrig mit uns zu fliegen. So hatten Segelflieger unseres Vereine nun die Möglichkeit, Konstruktionen zu fliegen, die sie bis dahin noch nie gesehen hatten.
 
Bei den Deutschen Streckenflugmeisterschaften (DMSt) belegte Ernst Keßler in der Einzelwertung der Senioren den 2. Platz und in der Mannschaftswertung Olaf Gedrat, Ernst Keßler und Harald Dahms den 3.Platz. Helmut Buchholz erreichte ebenfalls in der Einzelwertung der Rennklasse einen beachtlichen 3. Platz.
 
Die Einzelergebnisse: 1 x 900 km, 1 x 800 km, 1 x 700 km, 3 x 600 km, 7 x 500 km, 11 x 400 km, 12 x 300 km, 9 x 200 km und 8 x 100 km. Diese Strecken wurden von unseren Segelfliegern im Dreieckskurs absolviert. Ein schöner Erfolg, der auf Grund einer guten Flugsaison erreicht wurde. Mit dazu beigetragen hat auch ein weiteres Segelflugzeug der Leistungsklasse vom Typ „ASW 19 B“.

 Schon im Oktober reiste unser Vorstand erneut nach Leipzig – Taucha, um die begonnene Arbeit der Erarbeitung der Satzung, Gebührenordnung und der Umstrukturierung des Vorhandenen sowie versicherungstechnische Fragen und Fragen der Gemeinnützigkeit – Finanzamt – abzusprechen. Wir alle waren froh, spät abends doch noch alles abgehandelt zu haben. Am folgenden Tag war tolles Rückseitenwetter mit unendlicher Sicht, etwas windig und prächtigen Cumulanten am Himmel. Alles was Flügel hatte stellten die Leipziger Segelflieger zur Verfügung. Mit Segelflugzeugen und Motorseglern konnten wir einen Flugbetrieb erleben, bei dem alle unsere mitgereisten Vereinsmitglieder auf ihre Kosten kamen. Auch konnten wir selbst fliegen, unter anderem auch im Motorsegler „OGAR“. Ein Novum war es bis dahin, unter 150 m Höhe über Leipzig und dem Völkerschlachtdenkmal, ein Wahrzeichen von Leipzig, zu fliegen, und das mit offizieller Genehmigung! Um noch bei den Leipzigern zu bleiben; bei der Abreise bedrückten uns dennoch wieder viele Probleme, zumal die Eigentumsfrage noch nicht geklärt war.  

1991
Gleich zu Beginn des Jahres 1991 erfolgte ein weiterer Verkauf eines Hochleistungssegelflugzeuges vom Typ „LS 3“ an den Aeroporta die Ferrara/Italien, damit war die Finanzierung des neuen Hochleistungsseglers vom Typ „Discus B“ endgültig gesichert.
 

Auf unserem Segelfluggelände wurde der Platz zum Aufrüsten der Segelflugzeuge immer enger, so dass eine zusätzliche Fläche gegenüber der Ostboxen angepachtet wurde. Auch wollten wir im Aufenthaltsraum die Möglichkeit schaffen, dass wir in den kühleren Jahreszeiten wärmere Temperaturen haben.  So wurde der Heizungsstrang vom Sanitärbereich in den Aufenthaltsraum neu verlegt. Die weitere Planung des Jahres sah noch nach so mancher Arbeit für unsere Mitglieder aus.

 
Der 15. Juni war terminiert als „Tag der offenen Tür“ und der 16. Juni für die Festveranstaltung
 
„70 Jahre Hannoverscher Aero-Club“.
 

Beide Veranstaltungen wurden gemeinsam mit unserem Partnerverein Leipzig – Taucha durchgeführt. Als es dann soweit war, konnte der HAeC die hochrangigen Gäste der Landeshauptstadt Hannover und des Landkreises Celle herzlich begrüßen. Umrahmt war die Feierstunde mit Modellflugzeugen, Segelflugzeugen und Motorseglern unseres Clubs und des Partnervereins Leipzig-Taucha.

Die Ansprache des 1. Vorsitzenden bezog sich auf die großartigen Leistungen der Segelflieger aus Hannover, der Luftsportgeschichte einer Stadt und die ungewöhnliche Aufbauleistungen der Mitglieder. Der Bürgermeister der Gemeinde Wienhausens, Karl-Heinrich Santelmann, überbrachte die Grüße und Glückwünsche der Samtgemeinde Flotwedel. Er sagte u. a., dass der Segelflugsport zur Steigerung des Flotwedeler Tourismus beitrage, und „Ich habe den Wunsch, dass aus unserem Raum sich noch mehr zu dieser aktiven Sportart bekennen und dadurch der Kontakt zu Wienhausen und der Samtgemeinde Flotwedel noch mehr bestärkt wird“.


Der 1. Bürgermeister der Landeshauptstadt Hannover, Dr. Walter König, der in Vertretung des Oberbürger­meisters Schmalstieg die Grüße und Glückwünsche der Landeshauptstadt Hannover überbrachte, die Vizepräsidentin des Landessportbundes Hannover, Frau Holstein, der Landrat des Landkreises Celle, Huber­tus Bühmann, Verwaltungsdirektor Hartmut Gebhard der Samtgemeinde Flotwedel, der 1. Vorsitzende des Deutschen Aero-Clubs – Niedersachsen – Segelflugkommission Herr Günter Leineweber und Oberst­leutnant Rätz von der Flugsicherungsstaffel Wietzenbruch bestätigten uns Segelfliegern ihre Hochachtung und Anerkennung. Im Anschluss wurde unser neuer „Discus“ durch den 1. Bürgermeister Hannovers, Dr. König, auf den Namen „Hannover“ getauft. Die zweite Taufe nahm Herr Santelmann vor, er taufte die „ASW 19 B“ auf den Namen Flotwedel. Die attraktivsten Ereignisse waren jedoch wieder die Mitflugmöglichkeiten für unsere Gäste sowie einige Kunstflugvorführungen mit den Modell- und den Segelflugzeugen. Die große Zahl der durchgeführten Gästeflüge und der der Interessierten, die uns an diesen beiden Tage besuchten, war unser Lohn für die Vorbereitungen dieser Veranstaltung.

 

Trotz der vielen Arbeit wurde natürlich auch geflogen. Erwähnenswert war ein Sternflug aller bundes­deutschen Segelflieger in Richtung Osten nach Stölln / Rhinower Berge, nordwestlich von Berlin. Schon in den Vormittagsstunden waren ca. 300 Segelflieger unterwegs, um erstmalig in den östlichen Teil von allen Flugrevieren zu fliegen. In Oppershausen starteten drei Piloten des Hannoverschen Aero-Clubs: Olaf Gedrat, Gaidis Neimanis und Jens Teichmann wollten bei diesem Sternflug dabei gewesen sein. Tatsächlich landeten unsere Piloten am späten Nachmittag, obwohl die Wetterentwicklung mit jedem Kilometer ostwärts schlechter wurde, wohlbehalten in Rhinow.


Kommen wir nun zu den fliegerischen Ergebnissen des Jahres 1991:
1 x 700 km, 3 x 500 km, 11 x 400 km, 17 x 300 km, 32 x 200 km und 12 x 100 km, diese Dreiecksflüge flogen unsere Mitglieder. Bei den Niedersächsischen Meisterschaften belegte Olaf Gedrat einen sehr guten 4. Platz und Gaidis Neimanis den 8. Platz in der Standard-Klasse. In der DMSt erreichte Helmut Buchholz den 3. Platz in der Rennklasse, Ernst Keßler den 2. Platz in der Standard-Klasse und in der Mannschafts­wertung belegten Olaf Gedrat, Ernst Keßler und Harald Dahms den 3. Platz.

Ein Sommerlager mit den Leipziger Segelfliegern und das Ferienpassfliegen der Samtgemeinde Flotwedel zählen mit zu den erlebnisreichen Ereignissen des Jahres. Die Reihe unserer Fluglehrer wurde aufgestockt und wir bekamen wieder einmal einen jungen Fluglehrer Harald Dahms in unsere Fluglehrermannschaft.

Unser Doppelsitzer, die „Grob 103 TWIN Acro“ konnte nun nach 10jährigen Einsatz sehr gut nach München verkauft werden, denn ein neuer Doppelsitzer war schon bei der Firma Schleicher / Wasserkuppe bestellt. So war damit auch die Finanzierung des neuen Segelflugzeuges vom Typ „ASK 21“ teilweise gedeckt. An dieser Stelle muss es einfach einmal gesagt werden: Alle verkauften Segelflugzeuge waren auf Grund einer guten Pflege und Wartung mit Gewinn veräußert worden, ein besonderer Verdienst unserer Werkstattleiter, vor allem Rudi Holz. 
 
1992
Im Februar 1992 wurde unser doppelsitziges Leistungssegelflugzeug für Schulung, Übung sowie Kunst- und Wolkenflug, die „ASK 21“ vom Hersteller abgeholt. 100 000 DM wurden durch Verkauf zweier älteren Segel­flugzeuge, Spenden und Darlehen unserer Mitglieder finanziert.
 
Unser erstes tragisches Ereignis in diesem Jahr sollte während unserer Hauptmitgliederversammlung im März passieren: Unser langjähriges Mitglied Theodor Wichert junior erlag plötzlich und unerwartet einem Herztod. Trotz sofort eingeleiteter Rettungsmaßnahmen konnten die Notärzte des Rettungshubschraubers leider nur noch den Tod bestätigen. „Theo“, wie ihn alle nannten, war jedem aufgrund seiner Aktivität im Verein, seiner Bereitschaft Arbeit zu übernehmen und seinem Engagement auf dem Campingplatz gut bekannt. Wir werden ihn in guter Erinnerung behalten.
Alle anwesenden Mitglieder waren stark betroffen und konnten die Situation gar nicht richtig begreifen. Dennoch wurde die Mitgliederversammlung auf Beschluss des Vorstandes fortgesetzt.

Da ein neuer Motorsegler bereits bestellt war, musste unser alter Motorsegler verkauft werden. 13 Jahre lang hatte er nun schon seine Pflicht und Schuldigkeit getan, Lustflüge und vornehmlich Überland­einweisungen mit Navigation dienten der Fortbildung unserer Segelflieger. Die Sportfluggruppe Nordholz / Cuxhaven übernahm dieses Flugzeug. Wieder konnte es gewinnbringend veräußert werden, so dass auch der Neukauf eines „SF Falken 25 C“ nicht mehr allzu viel im Wege stand. Allerdings konnten bis in den September hinein keine Motorseglerstarts erflogen werden.

 

Während eine größere Gruppe unseres Clubs in einem Fluglager in Reuthe am Lech den Alpenflug kennen lernen wollte, erreichte uns die traurige Nachricht, dass unser Kamerad Helmut Buchholz, der von Zell am See gestartet war, bei diesem Leistungsstreckenflug am Stummelberg im Zillertal / Tirol tödlich abgestürzt war. So kehrte vorzeitig unsere Gruppe aus dem Fliegerlager zurück. Helmut Buchholz war als Fluglehrer, Schlepppilot und Leistungsflieger weit über die Grenzen Niedersachsen hinaus bekannt. Mit seiner offenen und stets hilfsbereiten Art war er allseits beliebt. Wie in allen Dingen engagierte er sich für die Fliegerei und den Hannoverschen Aero-Club mit großem Einsatz. Sein umfangreiches Wissen und Können war allgemein bekannt und seine Bereitschaft, beides auch jeder Zeit weiterzugeben, wurde besonders geschätzt. Wir haben mit Helmut Buchholz einen guten Freund verloren, den wir in dankbarer Erinnerung behalten werden.


Die daheim gebliebenen Segelflieger wurden dadurch begünstigt, dass ein Hochdrucksommer für viele Stunden in der Luft sorgte und sehr gute Strecken geflogen werden konnten. Das Sommerlager in Oppershausen war gut besucht und die etwa 70 Kinder der Samtgemeinde Flotwedel, die im Rahmen der Ferienpassaktion mitflogen, wurden durch längere Flüge im Doppelsitzer begeistert.

 

Für unsere Leistungssegelflieger wurden durch das gute Wetter größere Strecken mit Wendepunkten wie beispiels­weise Walsrode – Müritzsee in Mecklenburg – Lutherstadt Wittenberg umrundet, um dann in Oppershausen wieder zu landen. Auch die Wendepunkte Lüneburg – Osnabrück – Göttingen brachten mehr als nur einen 500 km – Dreiecksflug. Das Endresultat für 1992 sah dann so aus: 1 x 700 km, 5 x 600 km, 9 x 500 km, 15 x 400 km, 18 x 300 km, 32 x 200 km und auf Landesebene ein beachtlicher 8 Platz. Die besten Piloten waren Ernst Keßler, Benno Edelmann und Helmut Buchholz in der 18 m - Klasse. In der Mannschaftswertung belegten den 1. Platz Ernst Keßler, Benno Edelmann und Heinrich Dahms.

Anfang September war es dann soweit, der neue Motorsegler vom Typ „SF Falke 25 C“ mit einem Rotax­motor war da. Rund 158.000 DM wurden investiert. Zufrieden konnten die Segelflieger und Motorsegelflieger schon nach den ersten Probestarts feststellen, dass sich die Investition in das neue Triebwerk voll gelohnt hatte. Man hört ihn wirklich nur noch aus allernächste Nähe. War schon der alte Motorsegler ein relativ leises Fluggerät, so ist der Unterschied zum neuen mehr als deutlich. Der Grund liegt in der Technik des Motors, dieser wird jetzt gegenüber früher, es waren bisher luftgekühlte Motoren, wassergekühlt. Die zweite wichtige Maßnahme ist der Antrieb des Propellers über ein Untersetzungsgetriebe, wodurch sich der Propeller lang­samer dreht und dadurch weniger Lärm erzeugt.

 

Am 24./25. Oktober fuhr der Vorstand wieder nach Leipzig, um die Gespräche weiterzuführen. Nach Rück­sprache mit den Mitgliedern sollte ein „Grunau Baby II b“, welches seit vielen Jahren stillgelegt war, in Hannover wieder aufgebaut werden. So stand eines Tages dieses alte Flugzeug bei uns in einer Box und machte einen jämmerlichen Eindruck. Gott sei Dank kehrten zur selben Zeit zwei frisch gebackene Werk­statt­leiter vom Lehrgang zurück. Es waren Dirk Weidlich und Michael Gülden, sie stürzten sich mit Rudi Holz auf das „Grunau Baby“.


Für ein Großteil unserer Vereinsmitglieder begannen nun die Arbeiten an der neuen Zwischenhalle. Wir brauchten weiteren Raum. Von unserem Partnerverein aus Leipzig stellte sich Uwe-Carsten Zehl, ebenfalls Mitglied unseres Vereins, als Fluglehrer zur Verfügung.


1993
Wie schon im Vorjahr angekündigt, brachte das Jahr 1993 gravierende Veränderungen im Hanno­verschen Aero-Club: Nach 36 Jahren Arbeit im Vorstandes des Clubs, davon die letzten 21 Jahre als dessen 1. Vorsitzenden hat sich
 

Joachim Zühlke

 
entschieden, bei der Hauptversammlung nicht mehr für ein Vorstandsamt zu kandidieren. Zu seinem Nachfolger wurde Dr. Werner Kilian gewählt, der dem Vorstand bereits mehrere Jahre angehörte. Neuer Geschäftsführer wurde Dietmar Nowatschin. Auch der 2. Vorsitzende, Dr. Olaf Gedrat, hatte sein Vor­stands­amt aufgegeben, weil er aus beruflichen Gründen nach Nordenham /Unterweser umziehen musste. Zu seinem Nachfolger wurde Benno Edelmann in den Vorstand gewählt.
Die beiden übrigen Vorstandsmitglieder, Hannelore Keßler als Schatzmeister und Ernst Keßler als Flugbetriebs- und Ausbildungsleiter wurden von der Mitgliederversammlung ebenfalls wiedergewählt.
 

Bei der im Mai stattgefundenen außerordentlichen Mitgliederversammlung gab es einige Satzungsänderungen und die Ergänzung für einen

Ehrenvorsitzenden auf Lebenszeit,
die Joachim Zühlke angetragen wurde.
 
Eine weitere Erneuerung des Flugzeugparks stand auch für 1993 an: Unsere 13 Jahre alte "ASW 19 B" wurde verkauft und dafür eine "LS 4" von einem Mitglied übernommen. Die rund 20.000 DM, die uns noch fehlten, wurde wieder durch Spenden und Darlehen unserer Mitglieder ausgeglichen.
In diesen Jahr freuten wir uns wieder, eine Stärkung in die Fluglehrerreihen zu bekommen. Benno Edelmann stand uns nun mit frischen Elan zu Seite.
 
 

Tag der offenen Tür mit Oldtimer-Taufe in Oppershausen

 
Am 4. Juli fand in Oppershausen auf unserm Segelfluggelände der diesjährige "Tag der offenen Tür" statt.
Wir hatten uns gut auf diesen Tag vorbereitet und waren voller Erwartungen. Wir konnten uns freuen, denn neben Mitgliedern aus unserem Partnerverein "Leipzig -Taucha e.V." und den Ehrengästen waren auch zahlreiche Interessenten und Zuschauer aus der Umgebung gekommen. Als Ehrengäste begrüßten wir unter anderem den Bürgermeister der Samtgemeinde Flotwedel, Herrn Kanter, den Samtgemeindedirektor, Herrn Lorenz, den Bürgermeister der Gemeinde Wienhausen, Herrn Knoop, den stellvertretenden Bürgermeister, Herrn Marwede aus Oppershausen sowie den Vertreter des Stadtsportbundes, Herrn Krumlin.
Gegen 11.00 Uhr begann der offizielle Teil, die Taufe des Oldtimer-Segelflugzeug vom Typ "Grunau Baby II b". Unser 1. Vorsitzender, Herr Dr. Werner Kilian, sprach mit bewegten Worten über die Entwicklung der Fliegerei in den letzten drei Jahren nach der Grenzöffnung und die Verbindung nach Taucha bei Leipzig sowie über den Beginn der Oldtimer-Rekon­struktion. „Würde es aber solche Mitglieder in unserem Verein wie beispiels­weise Rudi Holz oder Dirk Weidlich und andere fleißige Heinzelmännchen nicht geben, dann würde dieses Segelflugzeug heute nicht in diesem Zustand vor uns stehen.“
Anschließend ergriff der 1. Vorsitzende des Partnervereins, Herr Uwe-Carsten Zehl, das Wort und bedankte sich im Namen aller Leipziger Mitglieder für die Neuentstehung des "Babys", für das nun eine 2. Ära des Fliegens begonnen hatte.
Nach einer Grußadresse des Bürgermeisters Herrn Kanter übernahm er stellvertretend die Taufe des Segelflugzeuges auf den Namen "Honovere - Lipsia".
Herr Dr. Killian lud nun alle Anwesende ein, einen schönen Tag auf unserem Flugplatz zu verleben. Natürlich gab es einige Mitglieder, die aktiv mithalfen, dass dieser Tag gelang, ob es nun Getränke-, Bockwurstverkauf oder Informationen an den ausgestellten Flugzeugen waren. Aber auch unseren Frauen soll Dank gesagt werden, denn sie haben wieder prima Kuchen gebacken , Kaffee , Tee und Schokolade gekocht und ihn an unsere Gäste verkauft. Als Resümee konnte gesagt werden, dass es ein gelungener Tag war, und wir wieder etliche Menschen mit unserem wunderschönen Sport vertraut machen konnten.
 
Das Sommerfluglager in Oppershausen stand unter keinem guten Stern. An 4 von 5 Wochentagen mussten die Flugzeuge nach meistens hastigen Einräumen noch abgetrocknet werden. Ständige Gewitter sorgten so für besondere Hektik. Einige schöne Flüge kamen dennoch zustande. Nebenbei wurden, wie in jedem Sommer, die Ferienpasskinder der Gemeinde Wienhausen durch die Luft geschaukelt.
 
Gleiche Wetterbedingungen hatte Dr.Olaf Gedrat bei den Niedersächsischen Segelflug­meisterschaften in Achmer /Osnabrück mit Benno Edelmann und Jens Teichmann zu teilen. Nur 5 Wertungstage kamen zustande. Immerhin konnten zweimal der 6. Platz in den verschiedenen Klassen und einmal der 7. Platz unter den 56 Piloten erflogen werden.
 
Rückblickend verlief die Saison vom Wetter her enttäuschend: 2 x 700 km , 4 x 600 km, 7 x 500 km, 4 x 400 km, 8 x 300 km , 12 x 200 km, 11 x 100 km waren die Ausbeute in den Dreiecksflügen. Auf Landesebene wurde der 8. Platz erreicht. In der Gesamtwertung zählten Ernst Keßler und Benno Edelmann zu den erfolgreichsten Piloten.
 
Der begonnene Zwischenhallenbau kam zügig voran, Dank der ABM-Kräfte, die von der Landeshauptstadt Han­nover zur Verfügung gestellt wurden, lediglich die Material- und Transportkosten musste der Verein tragen. Schon zum Jahresende war die Halle betriebsbereit.
 
Als außerordentlich ist die Tatsache zu betrachten, dass die Mitglieder seit Mitte des Jahres wieder eine Vereins­zeitung bekommen. Sie heißt "Nachlese des HAeC". In mühevoller Arbeit engagiert sich dafür Petra Fladerer, der an dieser Stelle besonders gedankt wird.
Ebenso erfreulich war, dass Dominikus Kleineberg seine Fluglehrerprüfung bestand und als jüngeres Mitglied in die Fuss-Stapfen der erfahrenen Fluglehrer in unserem Club trat.

1994
Ein total verregnetes Frühjahr sorgte dafür, dass im April die zu Seenplatten aufgestauten Flüsse erst einmal abtrocknen mussten. An vielen Tagen konnten lediglich Schulflüge durchgeführt werden.
Ab Mitte Juni gab es Zeiten, an denen jeder Tag fliegbar war und zum Teil auch sehr große Flüge gemacht wurden. In unserem Sommerfluglager, das mit 13 Segelflugzeugen bestückt war, wurde an 12 Tagen 53 Streckenflüge von 20 Piloten durchgeführt. Insgesamt wurden 17.043 Überlandflugkilometer geflogen, aufgrund von Nichteinhaltung der Regeln aber nur 13.964 km in der Deutschen Streckenflugmeisterschaft gewertet.
 
„Tag der offenen Tür" am 3. Oktober 1994
Regen und Kälte waren an diesem Tag ungewöhnlich hartnäckig, trotzdem versammelte sich wieder ein Völkchen von Gästen und harrte mit uns beim Kuchenbüfett und Würstchen und Bier in der Kälte aus. Als nachmittags der Regen aufhörte, konnte noch Modellflugvorführungen und Gästeflüge stattfinden.
 
Unsere letzte "ASW 19 B", die 17 Jahre lang Leistungsträger im Verein war, wurde verkauft; im Dezember erfolgte die Auslieferung des neubestellten "Duo-Discus" – eines doppelsitziges Hochleistungs­segelflugzeug mit 20 m Spannweite.
 
1994 beteiligten sich 23 Piloten, darunter 3 Damen, mit 87 gewerteten Flügen an der Deutschen Streckenflugmeisterschaft:
2 x 700 km , 4 x 600 km, 7 x 500 km , 4 x 400 km, 8 x 300 km , 12 x 200 km und 11 x 100 km im Überlandflug. In der 18 m-Klasse-Mannschaftswertung belegten Harald Dahms, Benno Edelmann und Heinrich Dahms einen beachtlichen 2. Platz.
 
Eine Veränderung des Fluggeländes konnte in soweit erreicht werden, dass mit dem Verpächter, Herrn Knief, eine Vereinbarung zustande kam, das Gelände im Osten um rund 100 m zu verlängern. Die Genehmigung der Luftfahrtbehörde lag mit der Auflage vor,  zusätzlich am Randstreifen eine Anpflanzung von 100 m vorzunehmen, wie sie von den Naturschützern gefordert wurde.

1995
Die Erwartungen durch die Verlängerung des Segelfluggeländes wurden positiv bestätigt. Größere Schlepphöhen ermöglichten bessere Anschlussmöglichkeiten an die Thermik.
 

„In den Ferien die Welt auch von oben sehen“

 
Unter diesem Motto fand das Sommerfluglager statt, in dem auch die schulpflichtigen Kinder der Samtgemeinde Flotwedel im Rahmen der Ferienpass-Aktion wieder in die Luft gehen konnten.
 
Bei den Niedersächsischen Landesmeisterschaften in Nordhorn war der HAeC mit 5 Piloten vertreten: Dr.Olaf Gedrat, Gaidis Neimanis, Harald Dahms, Jens Teichmann und Benno Edelmann.
 
In der Standardklasse siegte Dr. Olaf Gedrat und wurde
 
Niedersächsischer Segelflugmeister".
 
Gaidis Neimanis belegte den 11. Rang. Harald Dahms hätte mit im vorderen Drittel liegen können, musste aber leider wegen eines Zusammenstoßes in 1.300 m Höhe mit einer „LS 4“ aus Cuxhaven für einen Tag ausscheiden. Obwohl beide Segelflugzeuge erheblich beschädigt wurden, konnten beide Piloten auf dem Flugplatz Nordhorn landen. Schon am nächsten Tag flog Harald Dahms auf dem clubeigenen "Discus" weiter und musste sich mit dem 18. Platz zufrieden geben. Jens Teichmann belegte in der Renn-Klasse den 4. und Benno Edelmann in dieser Klasse den 8. Platz.
 
Bei den Deutschen Motorseglermeisterschaften in Paderborn erreichte Benno Edelmann in der 18-m–Klasse einen beachtlichen 1. Platz.
 
Im Juli endete das Verfahren um die "Betriebsgenehmigung für Flugzeugschlepp" auf dem Segelfluggelände Oppershausen mit einem Vergleich. Endlich, nach 9 Jahren war die Auseinandersetzung im Raum Flotwedel / Lachendorf wegen der befürchteten "Lärmbelästigung" beendet. Nun hatten unsere Piloten die Möglichkeit, die im Rahmen der Ausbildung geforderten und notwendigen Starts im F-Schlepp auf unserem Flugplatz erwerben zu können.
 
Mit einem überraschend guten Ergebnis wurde der neue "DUO-DISCUS" von den Mitgliedern angenommen und eingeflogen. In der Gesamtwertung auf Bundesebene in Deutschland (ca. 900 Vereine) konnte der Hannoversche Aero-Club den 11. Platz belegen. Im Landesverband Niedersachsen mit 686 Teilnehmern und 959.153 Streckenkilometern erreichten wir in der Offenen Klasse – Senioren – Junioren – Wertung den 2. Platz.
 
Beachtenswert waren auch in diesem Jahr die fliegerischen Leistungen unserer Damen. In der Damen-Senioren-Konkurrenz kam Caroline Gedrat bei 34 Pilotinnen auf den 4. Platz. Die Herren flogen ebenfalls gut, u.a . 7 x 700 km-, 6 x 600 km-, 21 x 500 km-, 16 x 400 km- und 21 x 300 km-Dreieckszielflügen.

Da unser fliegerisches Gebiet aufgrund der Grenzöffnung, und damit der Beseitigung der ADIZ, sich stark noch Osten erweitert hat, können wir nun diese thermisch guten Gegenden bei unserer Streckenlegung recht gut nutzen.
 

„Tag der offenen Tür“  am 10. September 1995

 
Zu ersten Mal haben wir diesen Tag mit einer Veranstaltungsreihe der Samtgemeinde Flotwedel gekoppelt, dem „Tag des offenen Denkmals“, der jährlich am 2. Sonntag des Monats September stattfindet. 
Besondere Attraktion waren unsere beiden Oldtimer-Segelflugzeuge, das „GRUNAU BABY II b“ und die Lo 100“. Strahlend standen sie in der Sonne und hauchten neben den modernen Mustern geradezu Nostalgie auf unseren Platz. 


 
1996
 
Höhepunkt des Jahren waren die Feierlichkeiten zum
 
75. Geburtstag des HAeC e.V.,
 
die an einem Mai-Wochenende auf unserem Clubgelände in Hannover stattfanden. Die Bürgermeisterin Hannelore Kunze taufte den Duo-Discus auf den Namen „Arthur Martens“ Vereinsvorsitzender Werner Kilian nahm die Grüße und Schecks vom Sportbund und der Stadt Hannover entgegen und hielt Rückschau auf die 75jährige Vereinsgeschichte. 1996 taufeCDU‑Oberbürgermeisterkandidatin Rita Pawelski – zur Taufe des neuen Einsitzers auf den Namen „Fritz Hentzen“ gekommen – war beeindruckt von den großen Leistungsmöglichkeiten der Segelflugzeuge. Sie versprach, die Einladung zum Mitfliegen anzunehmen.
 75 jahre1996 Zwei Wochen später konnten wir auf unserem Segelfluggelände in Oppershausen den 20. Geburtstags unseres Flugplatzes feiern.
 
Außer diesen arbeitsintensiven Feierlichkeiten fanden auch noch ein Oster- und ein Sommerfluglager mit allgemein guter Beteiligung statt. Es konnte eine Ausgewogenheit zwischen Leistungs- und Lustfliegen festgestellt werden.
 
Die Platzierungen bei den verschiedenen Meisterschaften bestätigen uns, dass mit unserem Standort Oppershausen seit nunmehr 20 Jahren die Leistungsflieger einen beachtlichen Faktor im Streckenflug bundesweit darstellen. Bisher wurden in Oppershausen 57.965 Starts, 24.029 Flugstunden und 351.884 Streckenflugkilometer verzeichnet.
 
Jürgen Hotopp und Thorsten Keßler erwarben die Lehrberechtigung für Segelflug. Benno Edelmann verließ uns durch Umzug und Joachim Zühlke gab nach 40jähriger Tätigkeit aus Altersgründen seine Lehrberechtigung zurück.
 
Der HAeC landete in Niedersachsen von 66 Vereinen auf dem 7. Platz.
Thorsten Keßler und Jens Ackermann erflogen in der Doppelsitzerwertung Nds. den 1. Platz und auf Bundesebene den 2. Platz, E.-A. Keßler Off.Kl.Sen. 3. Platz von 45.