Flugzeuge

Es gibt Zeiten, da kann das Leben eines Modellfliegers so richtig hart sein und auch ich fühlte mich vom Schicksal mal wieder heftig gebeutelt. Meine viermotorige Hercules viel mir vor einigen Tagen wie ein Stein vom Himmel und tief im Innern wusste ich, dass ich daran sicher nicht ganz unschuldig war. Ganz der coole Modellflugveteran, hatte ich mein etwas eigenwillig fliegendes Modell nur für einen Moment aus den Augen gelassen, um einem unserer Anfänger mal eben wertvolle Tipps für seinen Landeanflug zu geben. Das mein 2,5 Meter großer Flieger unterdessen selbst dem Strömungsabriss immer näher kam, hatte ich dabei glatt verpennt. Der folgende Aufschlag war dann auch entsprechend heftig und hinterließ nicht nur auf unserem Platz einen deutlichen Krater.

Damals, als meine viermotorigen Eigenbau- Hercules mit einem dumpfen Aufschlag auf unseren Modellflugrasen ihr „Leben“ aushauchte, damals hatte ich mir geschworen niemals wieder so ein aufwändiges Flugmodell zu bauen. Gut zwei Jahre Bauzeit zerlegten sich an diesem Sommerabend zu Schrott und mir war sonnenklar, dass ich auch noch die Schuld an diesem Desaster trug, denn einen Strömungsabriss im Landeanflug kann man niemandem sonst in die Schuhe schieben.

 „Lass die Finger davon, dass kriegst du sowieso nicht hin!“

Es waren wohl diese abfällig hingeworfenen Worte und diese ekelhaft ironischen Gesichtauszüge meines Bruders, die in mir dieses „Jetzt- erst- recht- Gefühl“ aufkommen ließ, dass mich im laufe meines bewegten Lebens schon zu so manchem „Blödsinn“ verleitete.

Insgeheim wusste ich aber, dass mein Bruder mit seiner bissigen Bemerkung nicht ganz falsch lag. Zeit seines Modellfliegerlebens war er der „Modellbauer“ von uns beiden. Ich hingegen brauchte den Wettkampf und so hatte ich zwar etliche Flugmodelle für meine Elektrokunstflug-Wettkämpfe entwickelt und gebaut, aber das waren immer nur Zweckmodelle ohne Vorbild aus der Mann tragenden Fliegerei.

Ich muss gestehen, in meiner über vierzig jährigen Modellfliegerkarriere habe ich noch niemals einen Doppeldecker geflogen. Nicht weil ich mich nicht traute, denn von einer viermotorigen Hercules bis zum flotten Kunstflieger hatte ich schon so ziemlich jedes elektrifizierte Fluggerät unter den Knüppeln. Vielmehr hielt mich die reine Faulheit vom Bau eines solchen Modells ab, denn die fummelige Aufrüsterei auf dem Platz, die zeitraubenden Verspannungen und Verschraubungen eines Doppeldeckers vor dem Start gingen mir schon beim Gedanken daran mächtig auf dir Nerven.

Sieben Tage Regenwetter hatten ihre Spuren auf meiner Modellfliegerseele hinterlassen. „Hochsommer, das ich nicht lache. Mitten im Juli gerade mal 12 Grad. Man sollte einfach auswandern“. Ausgesprochen schlecht gelaunt schob ich noch ein Stück Feuerholz in den mächtigen Kamin unseres oberösterreichischen Urlaubshotels und schwor mir niemals wieder diesseits der Alpen Urlaub zu machen. 

 „Kannst du dich nicht setzen und einfach mal nur die Ruhe genießen?“ hörte ich meine „Angetraute“ seufzen, doch ich starrte nur aus dem Fenster hinaus auf ein Häufchen verbissener Golfer, die mit Schlägern und Regenschirm bewaffnet ihren Bällen hinterher wateten.„Schon ein seltsames Völkchen, stichelte ich weiter, „selbst im strömenden Regen prügeln die ihre Bälle durch die Landschaft und wenn es dann mal für einen Augenblick nicht junge Hunde regnet, stehen die garantiert an jedem Abschlag Schlange, wie die Londoner an der Bushaltestelle.“